
| Der Schauplatz Reetz (Neumark) 1945 | ||
| Janine Fubel, 08.05.2025 | ||
![]() |
||
| Der Ort Reetz (Neumark) östlich der Oder verwandelte sich bei Kriegsende 1945 in einen großen Evakuierungsschauplatz, an dem sich Erfahrungen von Flucht, Deportation und Vertreibung verschränkten. | ||
![]() |
||
|
28.1.1945. Deutschland. 38 Kilometer seit dem letzten Nachtlager (gestern). Damit haben wir in zwei Tagen 90 Kilometer geschafft. Deutschland hat uns unwirtlich empfangen, mit Schneegestöber, heftigem Wind, fast ausgestorbenen Dörfern. Die Leute hier, die Deutschen, fürchten den Zorn des Russen. Sie fliehen und lassen all ihr Hab und Gut zurück. […] 30.1.1945.
[…] Die Bewohner sind fürchterlich verschreckt.
[…]
Bei Ihnen hat man alles auf den Kopf gestellt und alles Brauchbare
mitgenommen. Der Luxus der Einrichtungen ist kaum zu beschreiben, der
Reichtum und die Erlesenheit dieser Sachen ist
überwältigend.
Unsere Slawen werden Augen machen.1 Wladimir Gelfand, sowjetischer Soldat |
||
| |
||
| Ende Januar 1945 überwand die sowjetische Armee den sogenannten Ostwall, der in den 1930er Jahren an der deutsch-polnischen Grenze errichtet worden war. Anschließend drangen sowjetische Truppen unter immensem Tempo in das pommersche und brandenburgische Gebiet der Neumark bis an den Fluss Oder vor, wo sie Anfang Februar vorerst zum Stehen kommen sollten. Zuvor hatten Flüchtlingstrecks und Kolonnen von Kriegsgefangenen, die von den Wachmannschaften westwärts getrieben wurden, das Vordringen der Roten Armee angekündigt. Am Kriegsende kam es gleichzeitig zu Deportationen sowie zivilen und militärischen Fluchtbewegungen, wie sich am Beispiel der vormals deutschen und heute polnischen Kleinstadt Reetz (Recz) anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Fotografien eindrücklich offenlegen lässt.² Von einem geordneten Rückzug konnte trotz propagandistischer Verlautbarungen ebenso wenig die Rede sein wie von einer rechtzeitigen Evakuierung der Bevölkerung. Vielmehr glich die chaotische Situation der eines Durchgangsbahnhofs und stellte „ein schauriges Gegenstück zu dem einst so gepriesenen Septemberfeldzug des Jahres 1939“ dar.³ | ||
| |
||
Reetz (Neumark) |
||
| Die Kleinstadt Reetz liegt an der Ina, einem Nebenfluss der Oder, und gehörte bis 1945 zum Kreis Arnswalde in der Neumark. Der Kreis war Teil der preußischen Provinz Brandenburg gewesen, bis er 1938 im Zuge der Verwaltungsneugliederung an Pommern überging. Zu dieser Zeit zählte Reetz 3.646 Einwohner:innen.⁴ In der Stadt befand sich auch eine kleine jüdische Gemeinde, deren Synagoge und Friedhof während des Novemberpogroms 1938 zerstört wurden.⁵ Der deutsche Angriff auf Polen 1939 berührte die Ortschaft im Grenzgebiet zunächst nur indirekt. Das Personal des nördlich gelegenen Luftwaffen-Flugplatzes Gabbert suchte Reetz als nächstgelegene Kleinstadt auf und wohnte teilweise auch dort. Während des Krieges erlebte Reetz zudem einen Zuzug von Frauen und Kindern, die aus den luftkriegsbedrohten Städten in die ländlichen Regionen Ostdeutschlands evakuiert wurden. Im Januar 1945, als die sowjetische Großoffensive auf das Reichsgebiet begann, kamen westwärts ziehende Flüchtlinge aus den benachbarten Reichsgaue „Wartheland“ und „Danzig-Westpreußen“ hinzu, die als erstes von der sowjetischen Großoffensive betroffen waren. Kaum mehr als zwei Wochen später waren die Menschen in Reetz, bei denen es sich vor allem um Frauen, Kinder und ältere Personen handelte, selbst von Flucht und Krieg betroffen. | ||
| |
||
Kriegsschauplatz Neumark 1945 |
||
| Am 12. Januar 1945 begann die Winteroffensive der Roten Armee. Im Mittelabschnitt der Ostfront, der Reetz betreffen sollte, starteten zwei Tage später die vor Warschau zusammengezogenen sowjetischen Einheiten ihren Großangriff mit dem Ziel, nach Berlin vorzustoßen. Sie waren der Wehrmacht nicht nur personell und materiell überlegen, sondern hatten auch die klimatischen Verhältnisse auf ihrer Seite: Schneeverwehungen machten es leichter, die Wehranlagen des „Ostwalls“ zu überwinden. In kurzer Zeit brach die Rote Armee den Widerstand der wenigen deutschen Verbände und löste gewaltige Fluchtbewegungen aus. Im Unterschied zum Ersten Weltkrieg war die deutsche Seite diesmal nicht bereit, beim Rückzug hinter die Reichsgrenzen, nunmehr die von 1939, zu kapitulieren. Vielmehr setzten die unter dem Kommando der Heeresgruppe „Weichsel“ stehenden Verbände im Februar im Kreis Arnswalde zur Gegenoffensive an. In Reetz kam es daraufhin zwei Mal zu Evakuierungsanordnungen und wochenlangen Gefechten. Der Grund war, dass für die Stadt nunmehr die Regelungen für „rückwärtige Gebiete“ griffen. | ||
![]() |
||
| Deutsch-sowjetischer
Frontverlauf Ende Januar 1945. Zentrum für Sozialwissenschaften und Militärgeschichte der Bundeswehr, Rechte vorbehalten – freier Zugang ↗ |
||
| Der militärische Begriff „rückwärtige Gebiete“ bezog sich auf die Bereiche unmittelbar hinter der Frontlinie. Sie hatten die Funktion, die dortigen Einheiten zu versorgen sowie das Kampfgeschehen zu unterstützen. Entsprechend waren diese Gebiete zu räumen und zu „sichern“. Daran hielten die Sicherungseinheiten der Wehrmacht und der (Feld-)Polizei auch fest, als sich 1944/45 die Kampfhandlungen auf das Reichsgebiet verlagerten. Gemeinsam mit den Wachmannschaften räumten sie Gefängnisse und Zwangslager, gingen gegen Zivilist:innen vor, die sich für eine Beendigung des Krieges und die kampflose Übergabe ihrer Ortschaften einsetzten, und nahmen deutsche Soldaten fest, die nicht weiterkämpfen wollten. Zudem bedrohten sie Zwangsarbeiter:innen, die sich nicht an ihren Arbeitsplätzen aufhielten, mit dem Tod – ebenso solche, die sich Lebensmittel beschafften. Sie wurden der Plünderung beschuldigt. Gleichzeitig waren die Einheiten für die Regulierung der Flüchtlingstrecks zuständig, um dem deutschen Militär die Wege an die Front freizuhalten. Seit Beginn der sowjetischen Winteroffensive boten die Landstraßen und Bahnhöfe der Neumark ein chaotisches Bild, wie die Zeilen der Anwohnerin Dora Münch zeigen: | ||
![]() |
||
| Reetz, Ende Januar 1945. Die Stadt liegt unter einer dichten Schneedecke und es ist bitterkalt. Seit Tagen schon zeigt das Thermometer 18 – 20 Grad unter Null an. Ich friere erbärmlich auf meinem Weg in die Stadt. Tag für Tag immer dasselbe erschütternde Bild, endlose Trecks ziehen westwärts auf der Flucht vor dem Grauen des Krieges. Die Fahrzeuge hochbeladen mit Hausrat und Vorräten, im Stroh der Wagen alte Leute und Kleinkinder, unerbittlich der Kälte ausgesetzt. Der Marktplatz ist ein einziges Heerlager, vollgestopft mit Fahrzeugen, Vieh und Menschen. Ich bin erschüttert, eine sterbende Frau im nassen Stroh eines offenen Wagens sehen zu müssen. Daneben eine junge Frau, die ihr eben geborenes Kind in Decken und Kissen hüllt. Nur ein Gedanke beseelt mich, heraus aus diesem Chaos! Aber am Bahnhof draußen vor der Stadt verläßt mich die Hoffnung ganz. Seit Wochen rollen endlos lange Züge vorbei. Wie Trauben hängen die Menschen an den Güterwagen oder hocken mit Kinderwagen, Kisten und Koffern sogar auf den Dächern. Wie soll ich da mit einem Kind von anderthalb Jahren mitkommen?6 | ||
| Einerseits bewegten sich deutsche Truppen sowie Züge mit militärischem Gerät und Munition ostwärts an die Front. Gleichzeitig zogen sich deutsche Verbände und Soldaten in entgegengesetzter Richtung zurück. Auch Gefängnis- oder Lagerinsass:innen entfernten sich in Fußmärschen von der Front. Wachmannschaften brachten sie in Gebiete, die als vor Kriegshandlungen sicher erachtet wurden. Auf den Straßen war zudem die westwärts flüchtende Bevölkerung unterwegs. Die Evakuierung ziviler Einrichtungen und Personen aus den kriegsgefährdeten Gebieten war nicht rechtzeitig geplant worden. Erst als die Front auf circa 20 bis 30 Kilometer herangerückt war, erging der Räumungsbefehl. Er kam einer Aufforderung zur Flucht gleich. Sobald ein Gebiet von deutschen Einheiten aufgegeben worden war, zerstörten Pioniereinheiten der Wehrmacht Brücken sowie die Trinkwasser-, Gas- und Stromleitungen. Für die zurückbleibende Bevölkerung war dies verheerend. | ||
| |
||
Kriegsende in Reetz (Neumark) 1945 |
||
| Obwohl am 28. und 29. Januar 1945
Räumungsbefehle
für den Kreis Arnswalde ergangen waren, begab sich nur ein
Teil
der Reetzer Bevölkerung auf die Flucht, und das auch erst am
4.
und 5. Februar. Die deutsche Propaganda und die Bunkeranlagen des
„Ostwalls“ hatten dafür gesorgt, dass sich
viele
sicher fühlten und nicht bereit waren, ihren Heimatort zu
verlassen. Man sorgte sich auch um das Schicksal des eigenen Hauses
oder des Viehs. Hinzu kamen die winterlichen Temperaturen weit unter
dem Gefrierpunkt, sodass vor allem alte Menschen oder Mütter
mit
Kleinkindern einen Fußmarsch scheuten. Die Mehrzahl der
Bevölkerung wartete folglich ab, als die
Bürgermeister des
Kreises Arnswalde die Erlaubnis zum Aufbruch erteilten und
Evakuierungspläne mit dem Ziel Anklam ausgaben –
auch noch,
als die Stromversorgung zusammenbrach und die Rote Armee
vorrückte. So war nur etwa ein Drittel der Bevölkerung geflohen, als sowjetische Einheiten die Stadt erreichten. Auslöser für den Aufbruch war letztlich gewesen, dass die Rote Armee am 4. Februar die nahe Kreisstadt Arnswalde beschoss. Einheiten der Wehrmacht und der Waffen-SS, die erst Tage zuvor eingetroffen waren, zogen sich über Reetz nach Stargard (Szczecinski) zurück. Teile der Bevölkerung folgten. Die Flüchtlingstrecks, denen eine Kolonne sowjetischer Gefangener aus dem Kriegsgefangenenlager in Arnswalde vorausging, kündigten die nahende Front an. Wachmannschaften und zur Unterstützung eingesetzte Volkssturmangehörige trieben die Gefangenenzug in Richtung Stargard, von wo die Männer in ein Kriegsgefangenenlager in Waren (Müritz) deportiert werden sollten. |
||
![]() |
||
| Gewaltmärsche sowjetischer und
französischer Kriegsgefangener am 4. Februar 1945 in der Mittelstraße in Reetz. Aufnahme von Werner Carow. Signatur DX893 / Archiv der Stiftung Brandenburg, Rechte vorbehalten – freier Zugang ↗ |
||
| Gefangene wurden als Erstes abtransportiert, damit sie
sich
nicht erheben oder in Gefechtssituationen, in die die
Gefangenentransporte im Januar und Februar 1945 gerieten, eingreifen
konnten.⁷ Dass Kriegsgefangene befreit und von der Roten Armee zum
erneuten Kriegseinsatz gebracht wurden,⁸ sollte um jeden Preis
vermieden werden. Die Bevölkerung teilte sich die Fluchtwege somit mit zurückgehenden Wehrmachtseinheiten und westwärts ziehenden Gefangenentrecks. Die fliehenden Reetzer:innen reihten sich dabei hinter die Kolonne der Kriegsgefangenen ein. Sie versperrten diesen damit die Wege, auf denen sie zu sowjetischen Einheiten hätten fliehen können. Gemeinsam zogen sie in Richtung Oder. Werner Carows Fotografien geben die katastrophale Stimmung einer sich unter harten klimatischen Bedingungen auf die Flucht begebenden Stadtbevölkerung wieder. Bei Kälte und Schneefall wurden die wenigen vorhandenen LKWs und Pferdewagen mithilfe von Wehrmachts- und Volkssturmangehörigen bereit gemacht. Züge für die Evakuierung der Neumark standen nur in geringer Zahl bereit, kamen in Reetz aber zum Einsatz. Der Fluss Ina war gefroren, sodass ein Abtransport über Wasser nicht möglich war. Mit wenig Hab und Gut sowie kaum Schutz vor der Witterung floh ein Teil der Bevölkerung in Trecks mit den Flüchtlingen, die Tage zuvor in Reetz eingetroffen waren. Am 6. Februar griffen sowjetische Einheiten Reetz an. In der Nacht zum 7. Februar rückten Stoßtrupps in die Stadt ein. Die Besetzung der Ortschaft war von erbitterten Kämpfen begleitet. Auf den Einmarsch folgte die Entwaffnung des Volkssturms. Sowjetische Soldaten requirierten Pferde und Motorräder, belegten und plünderten Häuser oder setzten diese in Brand. Frauen und Mädchen erlitten Vergewaltigungen. Todeslisten, die Anwohnerinnen führten, belegen die große Anzahl ziviler Todesopfer in Reetz. Sie fielen während der sowjetischen Besatzung noch bis in den April Erschießungen und Krankheiten zum Opfer oder begingen Suizid. Unmittelbar nach dem Einmarsch setzte zudem die Verschleppung deutscher Männer und Frauen zur Zwangsarbeit ein. Hiervon betroffen waren vor allem Personen, denen eine Parteimitgliedschaft nachgewiesen werden konnte. Ein Verdacht reichte bereits aus. Andererseits erlebten in der Region eingesetzte französische Zwangsarbeiter, die nicht mehr westwärts getrieben worden waren oder sich versteckt hatten, die sowjetische Ankunft als Befreiung. Da die Kämpfe um Reetz andauerten, weil deutsche Truppen hier zum Gegenangriff übergingen, evakuierte die Rote Armee die Bevölkerung aus dem Gefechtsgebiet. Schätzungsweise 1.500 Personen, die nicht geflohen waren, mussten die Stadt am 12. Februar verlassen – „gegen Abend ging die Völkerwanderung los“, wie eine Beobachterin schrieb.⁹ Sie kamen in weiter entlegenen Ortschaften unter und mussten ihre Unterkunft mitunter mehrfach wechseln, bevor sie nach drei Wochen zurückkehren konnten. Anschließend betätigte sich die Bevölkerung in Reetz bei Aufräumarbeiten, beim Rückbau von Maschinen, die in die Sowjetunion abtransportiert wurden, in der medizinischen Versorgung oder der Landwirtschaft. In den folgenden Wochen und Monaten kehrten Flüchtlinge, die nach Mecklenburg gelangt waren, zurück und mussten sich eine neue Bleibe sowie über die sowjetische Ortskommandantur auch Arbeit suchen – schätzungsweise 80 Prozent der Reetzer Wohnhäuser waren nach dem Ende der Kampfhandlungen zerstört. Nach wie vor fanden Deportationen statt, Menschen mussten Zwangsarbeit leisten. Nachdem das Gebiet östlich der Oder formal unter polnische Verwaltung gestellt worden war, setzte im Juli die Vertreibung der deutschen Bevölkerung ein. Auf dem Reetzer Marktplatz versammelt und unter polnische Bewachung gestellt, liefen die von Hunger gekennzeichneten Menschen mit dem wenigen, was ihnen noch verblieben war, in langen Fußmärschen zur Oder in eine ungewisse Zukunft. |
||
|
Fußnoten ² Für den Beitrag habe ich Briefe, Tagebücher und Fotografien ausgewertet, die im Archiv der Stiftung Brandenburg verwahrt werden. Ein Teil von ihnen ist auch in einer Quellenedition abgedruckt. Vgl. „Man bleibt eben immer der Flüchtling.“ Eine Quellenedition zur Flucht und Vertreibung aus dem Kreis Arnswalde 1945–1947, hrsg. von Klaus Neitmann. Berlin 2020. ³ Hielscher, Alexander Karl: Das Kriegsende im Westen des Warthelandes und im Osten der Kurmark. Bielefeld 1987, S. II. ⁴ Vgl. Rademacher, Michael: Landkreis Arnswalde. Internetadresse: www.eirenicon.com/rademacher (letzter Zugriff: 18-12-2024). ⁵ Vgl. Lexikon zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Arnswalde (Neumark/Brandenburg). Internetadresse: www.jüdische-gemeinden.de (letzter Zugriff: 18-12-2024). ⁶ Tagebuchaufzeichnungen Dora Münch, abgedruckt in: „Man bleibt eben immer der Flüchtling.“, S. 131–135, hier S. 131. ⁷ Vgl. Fubel, Janine: Evakuierungs- und Kriegsschauplatz Mark Brandenburg. Das Aufeinandertreffen von Ostfront und „innerer“ Front im Januar 1945. In: Militärgeschichtliche Zeitschrift 81,1 (2022), S. 174–208, hier S. 200 f. ⁸ Vgl. Overy, Richard: Russlands Krieg 1941–1945. Reinbek 2012, S. 409. ⁹ Brief Christa Müller vom 3.6.1947, in: Archiv der Stiftung Brandenburg. |
||
| |
||
|
Geographischer Kontext
|
||
Janine Fubel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrgebiet Public History des Historischen Instituts an der FernUniversität in Hagen; 2023 Dissertation zu „Krieg, Bewegung und extreme Gewalt im Raum Berlin-Brandenburg: Die Evakuierung und Auflösung des KL-Komplexes Sachsenhausen 1945“ in den Geschichtswissenschaften der Philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin mit Archiv- und Forschungsaufenthalten u. a. in Großbritannien, Israel, Polen, Russland, Tschechien und den USA. Publikationen (Auswahl): Space in Holocaust-Research. A Transdisciplinary Approach to Spatial Thinking, hrsg. zusammen mit Alexandra Klei und Annika Wienert, Berlin: De Gruyter 2024; Der Zweite Weltkrieg als Evakuierungskrieg. Praktiken der Deportation, Räumung und Zerstörung im militärischen Rückzug, Sonderausgabe der Militärgeschichtlichen Zeitschrift 81,1 (2022), hrsg. zusammen mit Felix Ackermann und Claudia Weber. |
| Место действия Риц (Ноймарк) 1945 год | ||
| Janine Fubel, 08.05.2025 | ||
![]() |
||
| В конце войны в 1945 году город Риц (Ноймарк) к востоку от Одера был превращен в большой эвакуационный центр, где переплелись переживания, связанные с бегством, депортацией и высылкой. | ||
![]() |
||
|
28.1.1945.
Германия. С момента последнего ночного лагеря (вчера) пройдено 38
километров. Таким образом, за два дня мы прошли 90 километров. Германия
встретила нас негостеприимно: снежные бури, сильный ветер, почти
безлюдные деревни. Здешние жители, немцы, боятся гнева русских. Они
бегут и бросают все свои вещи. [...] Владимир Гельфанд, советский солдат |
||
| |
||
|
В конце января 1945 года советская армия преодолела так называемый Восточный вал, возведенный на германо-польской границе в 1930-х годах. После этого советские войска с огромной скоростью продвинулись в Поморскую и Бранденбургскую области Ноймарка до реки Одер, где в начале февраля остановились. До этого о наступлении Красной армии сигнализировали походы беженцев и колонны военнопленных, которых гнали на запад охранники. В конце войны одновременно происходили как депортации, так и перемещения гражданских и военных беженцев, что можно убедительно продемонстрировать на примере бывшего немецкого, а ныне польского города Реец (Recz) на основе дневниковых записей, писем и фотографий.² Несмотря на пропагандистские заявления, не было и речи об упорядоченном отступлении или своевременной эвакуации населения. Вместо этого хаотичная ситуация напоминала проходную станцию и представляла собой «жуткий аналог некогда столь восхваляемой сентябрьской кампании 1939 года».³ |
||
| |
||
Риц (Ноймарк) |
||
|
Небольшой город Риц расположен на реке Ина, притоке Одера, и до 1945 года относился к округу Арнсвальде в Ноймарке. Район входил в состав прусской провинции Бранденбург, а в 1938 году в рамках административной реорганизации был переведен в Померанию. В то время в Реце проживало 3 646 человек.⁴ В городе также существовала небольшая еврейская община, синагога и кладбище, которые были разрушены во время ноябрьского погрома 1938 года.⁵ Нападение Германии на Польшу в 1939 году первоначально лишь косвенно затронуло город в приграничном районе. Персонал авиабазы Габберт, расположенной к северу, посещал Рец как ближайший городок, а некоторые даже жили в нем. Во время войны в Риц также наблюдался приток женщин и детей, эвакуированных из городов, которым угрожала воздушная война, в сельские районы восточной Германии. В январе 1945 года, когда началось крупное советское наступление на территорию Рейха, беженцы из соседних районов Рейха «Вартеланд» и «Данциг-Вестпрейссен», которые первыми пострадали от крупного советского наступления, начали двигаться на запад. Не прошло и двух недель, как жители Реца, в основном женщины, дети и старики, сами стали жертвами бегства и войны. |
||
| |
||
Ноймарк: театр военных действий 1945 |
||
| Зимнее наступление Красной армии началось 12 января 1945 года. Два дня спустя на центральном участке восточного фронта, который должен был затронуть Реец, советские части, собравшиеся перед Варшавой, начали крупное наступление с целью продвижения к Берлину. Они не только превосходили вермахт в живой силе и материальных средствах, но и имели на своей стороне климатические условия: сугробы облегчали преодоление обороны «Восточного вала». За короткое время Красная армия сломила сопротивление немногочисленных немецких частей и вызвала огромные потоки беженцев. В отличие от Первой мировой войны, на этот раз немецкая сторона не была готова сдаться при отступлении за границы рейха, теперь уже 1939 года. Вместо этого части под командованием группы армий «Висла» в феврале начали контрнаступление в районе Арнсвальде. Это привело к двум приказам об эвакуации и неделям боев в Реце. Причина заключалась в том, что правила для «тыловых районов» теперь распространялись на город. | ||
![]() |
||
| Линия германо-советского фронта в конце января 1945 года. Центр общественных наук и военной истории Бундесвер, Права защищены - доступ свободный ↗ |
||
|
Военным термином «тыловые районы» обозначались районы, расположенные непосредственно за линией фронта. Их функция заключалась в снабжении находящихся там частей и поддержке боевых действий. Соответственно, эти районы должны были быть очищены и «охраняемы». Этого придерживались охранные подразделения вермахта и (полевая) полиция, когда в 1944/45 годах боевые действия переместились на территорию рейха. Вместе с охранниками они очищали тюрьмы и лагеря принудительного труда, принимали меры против гражданских лиц, ратовавших за окончание войны и сдачу своих деревень без боя, и арестовывали немецких солдат, не желавших продолжать воевать. Они также угрожали смертью подневольным рабочим, которые не оставались на своих рабочих местах, а также тем, кто добывал себе сам продовольствие. Их обвиняли в мародерстве. В то же время эти подразделения отвечали за регулирование походов беженцев, чтобы держать пути к фронту свободными для немецких военных. С самого начала зимнего наступления советских войск проселочные дороги и железнодорожные станции Ноймарка представляли собой хаотичную картину, о чем свидетельствуют следующие строки местной жительницы Доры Мюнх: |
||
![]() |
||
| Риц, конец января 1945 года, город покрыт толстым снежным покрывалом, и стоит лютый холод. Термометр уже несколько дней показывает 18 - 20 градусов ниже нуля. По дороге в город я жутко замерзаю. День за днем одна и та же ужасающая картина: бесконечные обозы, движущиеся на запад, спасаясь от ужасов войны. Машины тяжело нагружены домашними вещами и припасами, старики и маленькие дети лежат на соломе в повозках, безжалостно подвергаясь холоду. Рыночная площадь представляет собой единый армейский лагерь, запруженный машинами, скотом и людьми. Я потрясена, увидев умирающую женщину в мокрой соломе открытой повозки. Рядом с ней - молодая женщина, заворачивающая своего новорожденного ребенка в одеяла и подушки. Только одна мысль вдохновляет меня: выбраться из этого хаоса! Но на железнодорожной станции за городом я теряю всякую надежду. Бесконечные поезда проносятся мимо уже несколько недель. Люди свисают с товарных вагонов, как виноградные гроздья, или даже сидят на крышах с детскими колясками, коробками и чемоданами. Как же я буду успевать за полуторагодовалым ребенком?6 | ||
|
С одной стороны, немецкие войска и эшелоны с военной техникой и боеприпасами двигались на восток к фронту. В то же время немецкие части и солдаты отступали в обратном направлении. Заключенные тюрем и лагерей также отходили от фронта. Охранники уводили их в районы, которые считались безопасными от военных действий. Население, бежавшее на запад, также передвигалось по дорогам. Эвакуация гражданских объектов и людей из районов, находящихся под угрозой войны, не была спланирована заблаговременно. Приказ об эвакуации был отдан только после того, как фронт продвинулся примерно на 20-30 километров. Это было равносильно приказу о бегстве. Как только район покидали немецкие части, инженерные подразделения вермахта уничтожали мосты, линии подачи питьевой воды, газа и электричества. Это было губительно для оставшегося в живых населения. |
||
| |
||
Окончание войны в Реце (Ноймарк), 1945 год |
||
| Хотя 28 и 29 января 1945 года в районе Арнсвальде был
отдан приказ об эвакуации, лишь часть жителей Реца покинула город,
причем только 4 и 5 февраля. Благодаря немецкой пропаганде и бункерам
«Оствал» многие чувствовали себя в безопасности и не были
готовы покинуть родной город. Люди также беспокоились о судьбе своих
домов и домашнего скота. Кроме того, зимой температура воздуха была
значительно ниже нуля, поэтому пожилые люди или матери с маленькими
детьми особенно не хотели идти пешком. Поэтому большинство населения
ждало, когда мэры районов Арнсвальде дадут разрешение на выезд и
выпустят планы эвакуации с указанием Анклама в качестве пункта
назначения - даже когда электроснабжение рухнуло и Красная армия пошла
вперед. В результате к моменту прихода советских войск в город бежало лишь около трети населения. В конечном итоге причиной бегства стал обстрел Красной армией близлежащего районного города Арнсвальде 4 февраля. Части вермахта и Ваффен-СС, прибывшие в город всего несколькими днями ранее, отступили через Рец в Штаргард (Щецински). За ними последовала часть населения. Поход беженцев, предваряемый колонной советских заключенных из лагеря военнопленных в Арнсвальде, сигнализировал о приближении фронта. Гвардейцы и члены фольксштурма, направленные в качестве поддержки, погнали эшелон с пленными в сторону Штаргарда, откуда их должны были депортировать в лагерь для военнопленных в Варене (Мюриц). |
||
![]() |
||
| Принудительные марши советских и французских военнопленных 4 февраля 1945 года на Миттельштрассе в Риц. Фотография Вернера Карова. Подпись DX893 / Архив Бранденбургского фонда, Права защищены - доступ свободный ↗ |
||
| Пленных вывозили в первую очередь, чтобы они не могли
восстать или вмешаться в боевые ситуации, в которые попадали транспорты
с пленными в январе и феврале 1945 года.⁷ Того, что военнопленные
освобождались и попадали в Красную армию, чтобы снова воевать,
следовало избегать любой ценой. Поэтому население делило пути бегства с отступающими частями вермахта и движущимися на запад колоннами пленных. Бегущие жители Реца выстраивались за колонной военнопленных. Тем самым они перекрывали пути, по которым могли бы скрыться советские части. Вместе они двигались к Одеру. Фотографии Вернера Карова отражают катастрофическое настроение населения города, бежавшего в суровых климатических условиях. В условиях холода и снегопада немногочисленные грузовики и конные повозки были подготовлены с помощью военнослужащих вермахта и фольксштурма. Для эвакуации из Ноймарка имелось лишь небольшое количество поездов, но они были задействованы в Реетце. Река Ина замерзла, что делало невозможным транспортировку по воде. Имея мало вещей и почти не имея защиты от непогоды, часть населения бежала вместе с беженцами, прибывшими в Рец несколькими днями ранее. 6 февраля советские части атаковали Риц. В ночь на 7 февраля в город вошли ударные войска. Захват города сопровождался ожесточенными боями. За вторжением последовало разоружение фольксштурма. Советские солдаты реквизировали лошадей и мотоциклы, занимали и грабили дома, поджигали их. Женщины и девочки подвергались изнасилованиям. Списки погибших, которые вели местные жители, свидетельствуют о большом количестве жертв среди гражданского населения Реца. Они становились жертвами расстрелов, болезней или кончали жизнь самоубийством во время советской оккупации вплоть до апреля. Сразу же после вторжения началась депортация немецких мужчин и женщин на принудительные работы. В основном это касалось тех, кто, как можно было доказать, был членом партии. Подозрений было достаточно. С другой стороны, французские подневольные рабочие, размещенные в регионе, которые уже не были вытеснены на запад или скрывались, восприняли приход советских войск как освобождение. После этого население Реца занялось расчисткой территории, демонтажем техники, вывезенной в Советский Союз, оказанием медицинской помощи и ведением сельского хозяйства. В последующие недели и месяцы беженцы, добравшиеся до Мекленбурга, вернулись и были вынуждены искать новое жилье и работу через местную советскую комендатуру - по оценкам, 80 % домов в Реце были разрушены после окончания боев. Продолжались депортации, и люди были вынуждены заниматься принудительным трудом. После того как территория к востоку от Одера была официально передана под управление Польши, в июле началось выселение немецкого населения. Собранные на рыночной площади в Реце и взятые под польскую охрану, люди, измученные голодом, шли длинными маршами с тем, что у них оставалось, к Одеру навстречу неопределенному будущему. |
||
|
Сноски
¹ Владимир Гельфанд: Deutschland-Tagebuch 1945-1946. Aufzeichnungen eines Rotarmisten. Берлин, 2008, с. 28. ² Для этой статьи я проанализировал письма, дневники и фотографии, хранящиеся в архиве Бранденбургского фонда. Некоторые из них также напечатаны в первоисточнике. Ср. «Один всегда остается беженцем». Издание источников о бегстве и высылке из района Арнсвальде 1945-1947 годов, под редакцией Клауса Нейтмана. Берлин, 2020. ³ Hielscher, Alexander Karl: The end of the war in the west of the Wartheland and in the east of the Kurmark. Билефельд 1987, с. II. ⁴ Ср. Радемахер, Михаэль: Округ Арнсвальде. Адрес в Интернете: www.eirenicon.com/rademacher (последнее обращение: 18-12-2024). ⁵ См. Lexikon zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum: Arnswalde (Neumark/Brandenburg). Адрес в Интернете: www.jüdische-gemeinden.de (последнее обращение: 18-12-2024). ⁶ Дневниковые записи Доры Мюнх, перепечатанные в: «Man bleibt eben immer der Flüchtling.», pp. 131-135, здесь p. 131. ⁷ Ср. Фюбель, Янина: Эвакуация и театр военных действий Марк Бранденбург. Столкновение между Восточным фронтом и «внутренним» фронтом в январе 1945 г. В: Militärgeschichtliche Zeitschrift 81,1 (2022), p. 174-208, здесь p. 200 f. ⁸ См. Overy, Richard: Russia's War 1941-1945. Reinbek 2012, p. 409. ⁹ Письмо Кристы Мюллер от 3 июня 1947 года, в: Архив Бранденбургского фонда. |
![]() |
||
| Signatur DX895 /
Archiv der Stiftung Brandenburg, Права защищены - доступ свободный ↗ Колонна беженцев, собравшихся на рыночной площади Рица 4 февраля 1945 года, с грузовиками, покрытыми брезентом, и повозками, запряженными лошадьми, Фотография Вернера Карова. |
||
![]() |
||
| Signatur DX898 / Archiv der Stiftung Brandenburg, Права защищены - доступ свободный ↗ Грузовик с беженцами и их вещами перед отелем «Немецкий дом» на рыночной площади в Реце, 4 февраля 1945 г. Фото Вернера Карова. |
||
![]() |
||
| Signatur DX897 / Archiv der Stiftung Brandenburg, Права защищены - доступ свободный ↗ Грузовики с беженцами на рыночной площади в Рице 4 февраля 1945 года, Фото Вернера Карова. |
||
![]() |
||
| Signatur DX896 / Archiv der Stiftung Brandenburg, Права защищены - доступ свободный ↗ Беженцы с тележками на рыночной площади в Рице 4 февраля 1945 года, Фото Вернера Карова. |
||
![]() |
||
| Signatur DX894 / Archiv der Stiftung Brandenburg, Права защищены - доступ свободный ↗ Колонна беженцев перед гостиницей «Немецкий дом» на рыночной площади в Реце 4 февраля 1945 года, фото Вернера Карова. |
||
Английский перевод: William Connor↗ |
||
|
Географический контекст
|
||
Janine Fubel научный сотрудник отдела публичной истории Исторического института Университета Ферна в Хагене. В 2023 году она защитила диссертацию на тему «Krieg, Bewegung und extreme Gewalt im Raum Berlin-Brandenburg» на факультете гуманитарных наук Университета Гумбольдта в Берлине: "Die Evakuierung und Auflösung des KL-Komplexes Sachsenhausen 1945" (Война, движение и экстремальное насилие в районе Берлин-Бранденбург: Эвакуация и расформирование комплекса концлагеря Заксенхаузен в 1945 году). Ее исследования включали архивную работу и учебные поездки, в частности, в Великобританию, Израиль, Польшу, Россию, Чехию и США. Избранные публикации: Пространство в исследованиях Холокоста: Трансдисциплинарный подход к пространственному мышлению, под редакцией Александры Клей и Анники Винерт, Берлин: De Gruyter, 2024; Der Zweite Weltkrieg als Evakuierungskrieg. Praktiken der Deportation, Räumung und Zerstörung im militärischen Rückzug (Вторая мировая война как война эвакуаций: Практики депортации, расчистки и уничтожения во время военных отступлений), специальный выпуск Militärgeschichtliche Zeitschrift 81,1 (2022), подготовленный в соавторстве с Феликсом Акерманном и Клаудией Вебер. |