

![]() |
|
![]() |
|
| |
|
| VORWORT
„Wieder einmal muß ich darüber nachsinnen, was es bedeutet, in Furcht und Elend allein dazustehen. Es erscheint mir leichter, da die Qual des Mitleidens fehlt. Was mag die Mutter eines zerstörten Mädchens empfinden? Was jeder wirklich Liebende, der nicht helfen kann oder nicht zu helfen wagt?“ Über 60 Jahre ist es her, dass die Autorin und Journalistin unter ihrem Pseudonym Anonyma diese Sätze in ihr Tagebuch schreibt, das später auf den Bestseller-Listen zu finden sein wird. Anonyma beschreibt den Kampf ums Überleben und die Demütigung der Frauen durch Massen vergewalti gun - gen der Roten Armee in Berlin im Jahre 1945, ohne Gewalt und Vergewaltigung in den Vordergrund zu stellen. Ein Tabu bis heute. Der Film ANONYMA – EINE FRAU IN BERLIN bietet eine Chance, endlich dieses Tabu zu brechen und Bezüge zu heute herzustellen, denn noch immer werden tagtäglich Frauen in Kriegsgebieten vergewaltigt, gedemütigt und als „Kriegsbeute“ benutzt. Wir sind gefordert, auf Fragen, die sich stellen, Antworten zu geben. So, wie es dieser Film tut. Offen, ehrlich, schonungslos. Unsere Kinder verdienen es und all die Frauen, die bis heute nicht darüber sprechen konnten. Wir möchten Ihnen Mut machen, dieses immer noch bestehende Tabu in Ihrem Unterricht und Ihren Semina - ren anzusprechen. Die von uns zusammengestellten Materialien sollen Ihnen hierbei Unterstützung bieten. Ihre Vera Conrad mit den Autoren Regine Wenger und Rolf Thissen |
|
| |
|
![]() |
|
| |
|
![]() |
|
| |
|
| INHALTSANGABE
Es sind die letzten Tage des Krieges, April 1945 in Berlin. Im Keller eines halb zerstörten Wohnhauses kauern die Menschen und warten. Sie haben die Bombennächte überstanden und auch den Artilleriebeschuss. Die meisten von ihnen sind Frauen und sie ahnen, was sie erwartet. Der Einmarsch der Roten Armee in Berlin steht unmittelbar bevor. Da ist die stets hilfreiche Witwe (IRM HERMANN), da sind die lebenslustigen Schwestern Bärbel (JÖRDIS TRIEBEL) und Greta (ROSALIE THOMASS), die ältere Buchhändlerin (KATHARINA BLASCHKE), die Likör fabrikantin (MARIA HARTMANN), deren Mann sie einer Jüngeren wegen sitzen ließ, das lesbische Liebespaar Steffi (SANDRA HÜLLER) und Lisbeth (ISABELL GERSCHKE), die resolute Achtzigjährige (ERNI MANGOLD), das verzweifelte Flüchtlingsmädchen (ANNE KANIS), da sind Mütter mit ihren Kindern und auch ein paar ältere Männer, aus denen der Krieg alle Kraft herausgesogen hat. Vor allem aber ist da die knapp dreißigjährige Anonyma (NINA HOSS), dereinst Journalistin und Fotografin. Sie wird die Ereignisse der nächsten Tage für ihren Lebensgefährten Gerd (AUGUST DIEHL) festhalten, der vor Jahren an die Ostfront verschwand. Es werden Tage der Schrecken und widersprüchlichsten Erfahrungen. Anonyma wird, wie die meisten Frauen, von den Siegern mehrfach vergewaltigt. Doch sie taugt nicht zum Opfer. Mit Mut und dem unbedingtem Willen, ihre Würde zu verteidigen, fasst sie einen Entschluss. Sie wird sich „einen Wolf“ suchen, einen russischen Offizier, der sie vor den anderen schützt. Als Gegenleistung wird sie mit ihm schlafen – freiwillig. Und es geschieht, worauf sie am wenigsten gefasst war. Der höfliche, melancholische Offizier Andrej (EVGENY SIDIKHIN) weckt ihr Interesse. Es entsteht wirkliche Nähe. Und doch bleiben sie – er Sowjet, sie Deutsche – Feinde bis zum Ende. Auch die anderen Frauen entwickeln ihre Strategien, mal schnoddrig, mal unterwürfig, auf kleine Vorteile bedacht. Und es zeigt sich, dass auch die sowjetischen Soldaten nach menschlicher Nähe verlangen. Sie nisten sich ein in diesem zerbombten Haus. Und schließlich werden Sieger und Besiegte wie bei einem wilden Tanz auf dem Vulkan sogar das Ende des Krieges zusammen feiern. Denn etwas vereint sie doch: sie sind – nach einem langen Krieg – dem Tod entronnen. Nach dem Schrecken der männlichen Gewalt, nach einem Taumel der Gefühle wird sich der Blick auf eine Zukunft öffnen, in der sehr langsam ein normales Leben beginnen kann. (Quelle: Presseheft) DAS BUCH In drei dicht beschriebenen Schulheften hält Anonyma – damals eine noch relativ junge, aber schon weit gereiste Journalistin – ihre Erlebnisse in Berlin vom 20. April bis zum 22. Juni 1945 fest, als vergewaltigende und plündernde Rotarmisten durch die Stadt ziehen und auch sie ein Opfer wird. Aus den Kladden entstehen ab Juli 1945 auf grauem Kriegspapier 121 engzeilige Schreibmaschinenseiten. Erst Jahre später kommt das Typoskript unter anderem dem Schriftsteller Kurt W. Marek (C. W. Ceram) zu Gesicht, der schnell den historischen Wert dieses über das Persönliche hinausgehenden Zeitdokuments erkennt. Ceram entspricht dem Wunsch der Autorin, ihr Inkognito zu wahren und sorgt dafür, dass ein New Yorker Verleger im Herbst 1954 eine Übersetzung herausbringt. 1955 folgt eine britische Ausgabe. Seitdem sind Übersetzungen ins Schwedische, Norwegische und Holländische, ins Dänische und Italienische, ins Japanische und Spanische, ins Französische und Finnische erschienen. Eine Ausgabe des deutschen Originals wird 1959 von einem Schweizer Verleger herausgebracht – doch in der Bundesrepublik findet das Buch kaum Beachtung. Erst als Hans Magnus Enzensberger es 2003 in seine Reihe „Die andere Bibliothek“ beim Eichborn-Verlag aufnimmt, wird es – von der Kritik einhellig als großartiges Zeitzeugnis hoch gelobt – zu einem der meistgelesenen Bücher dieses Jahres. Enzensberger respektiert den Wunsch der (2001 verstorbenen) Autorin, auch nach ihrem Tod anonym zu bleiben. Doch Ende September enthüllt die Süddeutsche Zeitung die Identität von Anonyma. Iris Radisch konstatiert in Die Zeit vom 2.10.2003 einen Fall von „journalistischem Machismo“. Einen Tag zuvor kommt Joachim Güntner in einer der renommiertesten Zeitungen Europas, der Neuen Zürcher Zeitung, zu dem harschen Schluss: „Bisher fehlen die Belege, die eine seriöse journalistische Recherche von böser Nachrede unterscheiden würden.“ Im Januar 2004 spricht sich der Schriftsteller Walter Kempowski, ein anerkannter Experte in Sachen Tagebücher, für die Authentizität der Texte von Anonyma aus und sorgte somit für die Beendigung der leidigen Diskussion. |
|
![]() |
|
| |
|
| ANMERKUNGEN DES
PRODUZENTEN
GÜNTER ROHRBACH Es ist das letzte große Tabu des Zweiten Weltkriegs. Bis heute gibt es, auch in der Wissenschaft, darüber nur wenige Veröffentlichungen, kein Standardwerk, keine verlässlichen Zahlen. Hunderttausende Frauen sind vor allem im Osten Deutschlands in den letzten Kriegswochen vergewaltigt worden. Manche Schätzungen bewegen sich zwischen einer und zwei Millionen, zuverlässig sind sie nicht. Wie sollten sie auch, denn kaum jemand hat darüber öffentlich gesprochen, am wenigsten die Frauen selbst. Sogar in den Familien gab es so etwas wie einen Schweigebann. So groß wie das Leid war die Scham, auch und gerade dem eigenen Mann, den eigenen Kindern gegenüber. Soweit sich die Wissenschaft überhaupt dem Thema näherte, stützte sie sich auf die wenigen schriftlichen Zeugnisse, die ihr zugänglich waren. Historiker arbeiten nach Aktenlage. Mündliche Recherchen sind ihnen fremd. So waren es Journalisten wie Erich Kuby („Die Russen in Berlin 1945“) und vor allem die Filme - macherin Helke Sander, die die fundiertesten Beiträge zum Komplex der Vergewaltigungen geliefert haben. Helke Sanders Film „BeFreier und Befreite“ erschien Anfang der 1990er Jahre zusammen mit dem gleich - namigen Buch. Ergänzend zu zahlreichen persönlichen Zeugnissen wird hier erstmals auch versucht, den bestürzenden Umfang der Ereignisse mit Zahlen zu unterlegen. Gegenüber der Methodik dieser Ermittlung mag es Zweifel geben, unzweifelhaft ist aber, dass es hier um eine Größenordnung geht, deren erfolgreiche Verdrängung durchaus skandalös genannt werden kann. In den Kriegen der Männer waren die Frauen seit jeher eine mehr oder weniger selbstverständliche Beute. Heute nennt man das Kollateralschäden. Daran hat sich, folgt man den Berichten aus dem ehemaligen Jugoslawien, aus dem Irak oder Afghanistan, bis in unsere Gegenwart hinein nichts geändert. Dennoch war das Ausmaß der Vergewaltigungen von 1945 extrem und beispiellos. |
|
![]() |
|
| Die Tabuisierung dieser
Ereignisse hat viele Gründe. Der wichtigste: Die eigene
schwere Schuld hat es den
Deutschen jahrzehntelang schwer, ja unmöglich gemacht, sich
auch mit jenen Verbrechen der Nazizeit und
des Krieges zu beschäftigen, bei denen sie sich selbst als
Opfer sehen konnten. Diese Haltung war im Nach -
kriegsdeutschland weitgehend unumstritten. Erst in letzter Zeit hat
man, nicht ohne kritische Begleit -
geräusche, damit begonnen, in diesem oder jenem Falle eine
andere Perspektive zuzulassen. Zweifel los hat
es auch eine Rolle gespielt, dass bei den Vergewaltigungen die
Täter vor allem Soldaten der Roten Armee
waren, die Opfer Bürger der DDR. Es war gerade in der DDR
politisch nicht opportun, die Befreier mit einem
solchen Makel zu belasten. So war es eine große Ausnahme,
wenn Bert Brecht in seinem Arbeitsjournal unter
dem Datum vom 25.10.1948 mit aller Vorsicht und im Bemühen um
Gerechtigkeit folgendes schrieb: „immer noch, nach den drei jahren, zittert unter den arbeitern, höre ich allgemein, die panik, verursacht durch die plünderungen und vergewaltigungen nach, die der eroberung von berlin folgten. In den arbeitervierteln hatte man die befreier mit verzweifelter freude erwartet, die arme waren ausgestreckt, aber die begegnung wurde zum überfall, der die siebzigjährigen und die zwölfjährigen nicht schonte und in voller öffentlichkeit vor sich ging. Es wird berichtet, dass die russischen soldaten noch während der kämpfe von haus zu haus, blutend, erschöpft, erbittert, ihr feuer einstellten, damit frauen wasser holen konnten, die hungrigen aus den kellern in die bäckereien geleiteten, die unter trümmern begrabenen ausgraben halfen, aber nach dem kampf durchzogen betrunkene horden die wohnungen, holten die frauen, schossen die widerstand leistenden männer und frauen nieder, vergewaltigten vor den augen von kindern, standen in schlangen an vor häusern usw …“ Nicht zuletzt waren es die Frauen selbst, die eine Auseinandersetzung mit diesem Thema verhinderten. Sie hatten verständlicherweise kein „Interesse“ daran, da sie mit dem, was sie trotz aller erlittenen Gewalt auch für ihre Schande hielten, nicht erneut konfrontiert werden wollten. Auch in der von dem Historiker Rolf-Dieter Müller im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes herausgegebenen zehnbändigen Gesamtdarstellung des Zweiten Weltkriegs werden die Vergewaltigungen nur beiläufig behandelt. Auch hier keine Zahlen – man beschränkt sich auf die pauschale Formulierung „Hunderttausende“ und resigniert vor der Unmöglichkeit einer zuverlässigen Quantifizierung mit dem Begriffspaar „zahllos und namenlos“. Wann immer freilich in den vergangenen Jahrzehnten die Verbrechen an den Frauen im Berlin des Jahres 1945 zum Thema wurden, hat man sich nicht zuletzt auf die Tagebuchaufzeichnungen der Anonyma unter dem Titel „Eine Frau in Berlin“ berufen. Sie sind bis heute die einzige authentische Veröffentlichung, die es über die Massenvergewaltigungen des letzten Krieges gibt. Es ist bezeichnend, dass die Autorin ihren Namen auch Jahrzehnte nach den geschilderten Vorgängen nicht genannt hat. Wir haben ihren Wunsch, auch über den Tod hinaus anonym zu bleiben, respektiert, obwohl der Name an anderer Stelle inzwischen öffentlich geworden ist. Es hat Versuche gegeben, die Authentizität dieses Dokumentes in Zweifel zu ziehen. Überzeugend waren sie nicht. Ein Gutachten Walter Kempowskis hat sie im Übrigen widerlegt. Die Ereignisse selbst sind ohnehin unumstritten. |
|
| Anonyma hat in der Zeit vom 20. April bis 22. Juni 1945 in Berlin Tagebuch geführt und diese Auf zeich nun - gen unter Anleitung ihres Mentors Kurt W. Marek (dem berühmten C.W. Ceram) erstmals 1954 in New York in englischer Übersetzung veröffentlicht. Das Buch wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. Nach etwa einem Dutzend weiterer ausländischer Ausgaben erschien das Buch Ende der 1950er Jahre auch in deutscher Sprache – und blieb weitgehend unbemerkt. Zu kurz war damals noch der Abstand, zu frisch waren die Wunden. Ohnehin war man in jenen Jahren vor allem damit beschäftigt, die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs möglichst aus dem kollektiven Gedächtnis zu verdrängen. Es war allerdings nicht nur der Inhalt, der die Leser abschreckte, sondern vor allem der Ton, in dem die Anonyma ihre Erlebnisse verarbeitet hatte. Er ist frei von jeder Larmoyanz, kein Opfer-Pathos, kein Mitleidsappell. Anonyma schildert diese Wochen des Grauens und der Verfolgung selbstbewusst und mit jener schnoddrig sachlichen Kühle, die so typisch ist für die Berlinerin. Sie hat sich nicht unterkriegen lassen, so wenig wie viele der Frauen in ihrer Umgebung, ihr Überlebenswille war groß und stark. Und sie hat sich auch nicht gescheut, sich zu „prostituieren“, wenn anders das Weiter - leben nicht gewonnen werden konnte. | |
![]() |
|
| Aber genau das, ihre
Bereitschaft, das scheinbar Unmögliche zu tun, mit
kühner Entschlossenheit die
Gesetzlichkeiten der bürgerlichen Moral zu ignorieren (weil
deren Einhaltung sie mit Sicherheit umgebracht
hätten!) und es auch noch trotzig niederzuschreiben, hat die
deutschen Zeitgenossen der 50er Jahre empört.
Ihr Bild von der deutschen Frau ließ nichts anderes zu als
den Opfergang, im Zweifel bis zum Letzten. Als Hans Magnus Enzensberger zu Beginn dieses Jahrhunderts das Buch wieder aufgriff und es in seiner „Anderen Bibliothek“ veröffentlichte, war die Resonanz überwältigend positiv. Befördert vom Enthusiasmus der Kritiker enterte das Buch auf Anhieb die Bestsellerlisten. Erneute Veröffentlichungen in zahlreichen Ländern waren die Folge. Ich habe mich damals sogleich um die Rechte bemüht, was nicht ganz einfach war, weil deren Inhaberin, eine Freundin der verstorbenen Anonyma und die hinterbliebene Ehefrau von Kurt W. Marek, ihre Zustimmung zunächst verweigerte. Sie musste hartnäckig umworben und überredet werden. In der Zwischenzeit hat es zahlreiche Anfragen nach den Verfilmungsrechten aus dem In- und Ausland, nicht zuletzt auch den USA gegeben. Der Film stellt sich dem Thema auf komplexe und ungewöhnliche Weise. Er erzählt keine typische Opfergeschichte. Er verschweigt nicht, wer in diesem Krieg die Angreifer, wer die Täter und damit die Verursacher waren. Es ist kein Film über „arme deutsche Frauen“ und „böse russische Soldaten“. Dennoch weicht er den harten Fakten nicht aus. Das ist ein schmaler Grad, auf dem er sich bewegt, aber es ist möglich, weil die Anonyma für sich selbst die mutige Entscheidung getroffen hat, nicht nur Opfer sein zu wollen |
|
![]() |
|
| Sie
hat uns überdies die Chance gegeben, das zu vermeiden, was in
vergleichbaren deutschen Filmen immer
wieder geschieht, dass nämlich die Hauptfiguren aus dem
politischen Kontext der Nazizeit herausgelöst und
ideologisch entschuldet werden. Wir haben uns dem Problem gestellt,
dass die Anonyma ein Teil des
Systems war. „War ich selber dafür?
Dagegen?“,
schreibt sie in ihrem Tagebuch, „ich war jedenfalls
mittendrin
und habe die Luft eingeatmet, die uns umgab und die uns
färbte,
auch wenn wir es nicht wollten.“ Sie war
Journalistin, da hatte sie nicht viele Möglichkeiten, den
Ansprüchen derer zu entkommen, die dieses Land
regierten. Sie hat Texte geschrieben, wie sie damals geschrieben
wurden, auch von Journalisten, die später
den demokratischen Geist der Bundesrepublik repräsentierten. Wir haben uns auch bemüht, die russischen Soldaten als Menschen darzustellen. Sie waren zum großen Teil einfache Bauern, denen man dieses reiche Deutschland als Beute versprochen hat, als Ausgleich für erlittenes Leid. Kein anderes Volk hat auch nur annähernd so viele Opfer gebracht. Von den über 50 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs waren mehr als die Hälfte Bürger der Sowjet-Union. Den Rahmen des Films bilden die Vergewaltigungen und die mutige Selbstbehauptung, mit der eine Gruppe von Berliner Frauen versucht, damit umzugehen. In seinem Kern aber erzählt der Film eine hochdramatische Geschichte zweier Menschen, die Feinde sind und die dennoch ein starkes Gefühl füreinander entwickeln. Wir stützen uns dabei auf vorsichtige Andeutungen der Tagebuchautorin, erlauben es uns aber, darüber hinauszugehen. „Der Krieg verändert die Worte“, sagt Anonyma zu ihrem Beschützer, „Liebe ist nicht mehr das, was es war.“ Als am Ende Gert, ihr Mann, zurückkehrt, erleben wir das wahre Drama dieser Geschichte. Die Frauen haben, jedenfalls in ihrer Mehrheit, ihre Verletzungen tapfer ertragen. Es waren die Männer, die es nicht schafften. (Quelle: Presseheft) |
|
| |
|
| ANMERKUNGEN DES
REGISSEURS
MAX FÄRBERBÖCK Als ich das Buch „Anonyma“ zum ersten Mal las, war ich mit mir uneins. Zum einen war ich von dem, was damals in Berlin geschah, geschockt. Zum anderen war ich von der Intelligenz und Schonungslosigkeit, mit der die anonyme Autorin über die Geschehnisse berichtete, hingerissen. Ich konnte mich ihrem erzähleri - schen Sog nicht entziehen. Trotzdem gab es da eine kleine, nagende Distanz. Das war die Aura der Autorin. Ihre absolut unsentimentale Art zu schreiben, die Härte ihres Blicks auf sich selbst und alle anderen – Deutsche wie Russen – war irritierend. Warum? Vielleicht, weil eine Frau, die so etwas erlebt, mehr leiden müsste, mehr Opfer sein müsste? Eine Menge Fragen taten sich auf. Und das einzige, was ich damals, also ganz zu Beginn, wusste, war, dass ich mich ihnen stellen musste. Zunächst war da die Frage nach der historischen Bedeutung des Tagebuches. Hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen haben zu den damaligen Ereignissen geschwiegen. Das Geschehen war und ist sowohl für das deutsche wie auch für das russische Volk tabu. Darf man so ein Tabu anfassen? Und wenn, wie schreibt und inszeniert man solche Ungeheuerlichkeiten, ohne die damals Beteiligten bloß zu stellen oder zu verletzen? Wer gibt einem das Recht, über das Schweigen so vieler Menschen zu verfügen? Historische Stoffe sind beliebt. Aber das macht sie, wie mir scheint, oftmals fragwürdig. Natürlich können Kino- und Fernsehplots Geschichte emotionalisieren und „wieder erlebbar“ machen. Aber warum? Muss man sich jede leidvolle Periode einverleiben, weil sie gute Geschichten hervorbringt? Oder darf man sich wie eine Kinderfrau vor das Leben stellen und sagen, wie es damals zu sein hatte, damit es in eine heute konsumierbare Handlung passt? Ich denke schon. Geschichten-Erfinder und die damit verbundene Film- und Fernsehindustrie, dürfen das. Die Frage ist nur, ob diese nacherfundenen, oftmals sehr konfektionierten Erzählungen zu mindestens annähernd auf Augenhöhe mit der geschilderten Realität sind. Ob sie versuchen, der Wirklichkeit den Vorrang zu lassen, oder ob sie nur als eine arge Verkleinerung dessen, was wirklich geschah, gedacht sind. Bei ANONYMA haben wir, meine Co-Autorin Catharina Schuchmann und ich uns bemüht, dem Tagebuch und zahlreichen anderen Recherchen zu folgen. Wir sind zusammen mit der Historikerin Dr. Elke Scherstjanoi in diese grausame, sehr widersprüchliche Zeit eingedrungen und haben versucht, zu hören, was sie uns mit ihren vielen Stimmen erzählen möchte. Das brauchte seine Zeit. Zwischen dem ersten und dem zweiten Treffen mit meinem Produzenten Günter Rohrbach lagen circa sieben Monate. Eine Zeit, angefüllt mit verzweifelten und seltsam lebensstarken Frauen, die sich couragiert über das Leid ihrer Männer hinweg gesetzt haben, um zu überleben. Frauen, die sich lieber für einen Soldaten aktiv „prostituierten“, als ständig Vergewaltigungen durch zahlreiche Soldaten ausgesetzt zu sein. Also eine Auslotung minimalster Freiheitsgrade, um die eigene Persönlichkeit zu erhalten und um zu überleben! Frauen, die spöttisch, heiter, manchmal gallig waren. Frauen, die einfach nicht in einen Plot passten. Trotzdem wollte ich sie mehr und mehr dem Schweigen entreißen. Warum? Weil es wichtig ist, darüber zu sprechen, wie Menschen reagieren, denen genau das, was absolut nicht sein darf, zustößt. Weil das, was damals mit den Vergewaltigungen geschah, auch heute in jeder Sekunde des Weltgeschehens passiert. Und weil es vielleicht auch sinnvoll ist, dass eine Frau, die sich prostituiert, das damit verbundene Überschreiten der Moral nicht mehr nur als den ureigensten Abgrund sieht. Wie viele dieser Frauen haben weiter mit dieser „Schuld“, die keine war, und mit dem lebenslangen Schweigen, das vermutlich immer schwerer wurde, gelebt? Wie viele Männer haben etwas geahnt und auch geschwiegen? Wie sahen diese Ehen später aus? Man kann sich diesen Geschehnissen nicht nähern, ohne daran zu denken, wie tief greifend sie das Familienleben beeinflussten. Wie viele Frauen haben die Achtung vor den einst so heldenhaft verehrten Männern verloren, ihre eigenen Kräfte mobilisiert und zugepackt? Heute würde man so was Emanzipation nennen. Damals ging es um Schweigen, Verdrängen und Wiederaufbau. Wiederaufbau nicht nur der Städte, sondern auch der kränklichen Männer, die man so schnell wie möglich wieder als Familienoberhaupt brauchte. Die Autorin von ANONYMA hat all dies mit sezierend scharfem Blick gesehen, hat die Zukunft geahnt und sich geweigert zu schweigen. Sie war intelligent genug, das Überzeitliche, geradezu Archaische dieser brutalen Vorgänge zu erkennen. Gleichzeitig kam es ihr auf jedes Detail, auf jede menschliche Regung an. Sie wollte festhalten, berichten und verstehen. Die Hoffnung, dass sich durch so einen Bericht etwas am Leben verändern würde, hätte sie verlacht. Wahrheit stand ihr näher als Moral. Mit ihrer Schilderung einer kurzen sexuellen Erfüllung durch einen russischen Major brach sie nicht nur das Tabu, sich nicht berühren zu lassen, sondern auch noch darüber zu schreiben. Dass so jemand nicht mehr zur Weltverbesserung taugt, war ihr klar. Ich sehe das anders. Gerade ihr Mut, auch noch das Äußerste zu schildern, kann uns allen nur ein Beispiel sein. Denn oft ist das Schweigegebot einer Epoche genau das, was ihr am meisten schadet. Und dann die Russen. Die Bestien. Die meisten von ihnen wurden von ihrer eigenen Führung zerschunden, viele von ihnen ins Feuer geschickt. Viele waren überzeugte Sowjets, andere Mörder und Schänder. Man schätzt die Toten auf sowjetischer Seite auf ca. 26 Millionen. Mindestens die Hälfte davon waren Zivilisten. Alte, Frauen, Kinder. Wer bis Berlin kam, hatte Brand und Tod und unendlich viel Blut gesehen. Wer bis Berlin kam, war zum Äußerten fähig. Alle? Ganz sicher nicht. Unser Urteil über die Brutalität der Russen sitzt fest. Auch heute noch. Warum sich also damit anlegen? Weil die Widersprüche in der Roten Armee enorm waren und weil nicht hunderttausende Soldaten Schänder und Mörder waren. Um sie, die nicht dazu gehörten, besser zu verstehen, habe ich die erste Fassung des Drehbuches aus russischer Perspektive geschrieben. Danach erst war ich in der Lage, meinem überaus geduldigen Produzenten das Projekt zuzusagen. Ich möchte ihm an dieser Stelle für sein großes Vertrauen und die intensive Zusammenarbeit danken. |
|
![]() |
|
| Mir ging es weniger als ihm um
Gerechtigkeit. Ich könnte bei der historischen
Komplexität des Stoffes nicht
mal sagen, was das ist. Aber die Geschehnisse und ihre
Authentizität kenne ich gut. Wenn man sich intensiv mit einer Zeit beschäftigt, beginnt sie durch einen hindurch zu sprechen. Wir hörten das Gelächter, die Häme und Ansprachen der Russen. Wir rochen den Fusel, sahen ihre Ausgelassenheit und Brutalität. Wir kannten ihre kraftvollen Gesichter schon lange, bevor wir uns durch die Fotos von hunderten russischer Schauspieler und circa zweitausend Komparsen arbeiteten. Und irgendwann geschah ein Wunder. Die Zeit, die zu verstehen wir uns bemühten, stand vor uns. Zerschlissene Uniformen, pralle Freude, Rach - sucht und Gewalt. Die ängstlichen Blicke von Frauen, die nicht wissen, was kommt. Der grauenvoll bittere Nachgeschmack deutscher Taten und der unbedingte Wille zu leben. So könnte es damals gewesen sein, dachte ich irgendwann. Jetzt musste ich nur noch den Film drehen … Ein letztes Wort zu der Beziehung zwischen Anonyma und dem Major. Aus unseren Recherchen weiß ich, dass Anonyma für den Major möglicherweise mehr empfand, als aus dem Tagebuch hervorgeht. Dennoch blieb sie, wie die meisten Frauen in diesen gnadenlos bedrängenden Wochen, ohne Illusion. Er war Sowjet. Sie war Deutsche. Und keiner von beiden rückte auch nur einen Millimeter von seinem Denken, seiner Her - kunft ab. Trotzdem konnte sie nicht anders, als diesen zutiefst fremden, idealistischen und unberechenbaren Mann in sich aufzunehmen. Ihrer beider Geschichte ist die Geschichte einer immer stärker werdenden Anziehung zwischen Feinden. Sie wussten beide, dass sie keine Zukunft haben. Und dennoch versuchten sie dem Anderen alles zu geben. Alles, was der Krieg ihnen ließ. Die Augen, die Worte, den Atem, das Herz. Ist das Liebe? Anonyma hat es nicht so genannt. Und wenn, hätte sie vielleicht ein anderes Wort gefunden. (Quelle: Presseheft) DIE BESETZUNG BERLINS 1945 In den so genannten Londoner Protokollen vom 12. September 1944 vereinbarten die Alliierten, dass Groß- Berlin wie auch das Deutsche Reich in drei Sektoren aufgeteilt werden würden. Bei ihrer Konferenz in Jalta billigten die Staatschefs der USA, der UdSSR und des Vereinigten Königreichs diese Regelung. Doch erst nachdem sich die westlichen Alliierten aus dem Gebiet zurückgezogen hatten, das später zur SBZ (Sowjetisch besetzte Zone) wurde, rückten sie in Berlin ein. Am 11. Juli 1945 nahm die Alliierte Komandantura, die zur Viermächte-Verwaltung Berlins erweitert worden war, ihre Tätigkeit auf – für den amerikanischen, den britischen, den französischen und den russischen Sektor. Bis zu diesem Datum war die Rote Armee die einzige Besatzungsmacht in Berlin. |
|
![]() |
|
| Begonnen hatte die so genannte
Schlacht um Berlin am 16. April 1945 mit einer Zangenbewegung der Roten
Armee zur Einkesselung der Stadt. Auf sowjetischer Seite
kämpften etwa 2,5 Millionen Soldaten (darunter
180.000 polnische) mit 6.250 Panzern, 7.500 Flugzeugen und weit
über 10.000 Artilleriegeschützen. Dem
standen auf deutscher Seite etwa eine Million Soldaten mit 800 Panzern
und weniger als 100 Flugzeugen
gegenüber. Die Berliner Garnison kapitulierte am 2. Mai 1945,
nachdem die Kämpfe Schätzungen zufolge
etwa 250.000 Tote und 450.000 Verwundete gekostet hatten. Mindestens
100.000 Tote waren Zivilisten. Etwa
600.000 Wohnungen waren zerstört. Die Opfer waren unter
anderem deswegen so hoch, weil es Stalins Wille
war, die Eroberung Berlins so schnell wie möglich
durchzuführen, um sich einen strategischen Vorteil bei den
späteren Verhandlungen mit den westlichen Alliierten zu
sichern. Und weil die Nazis die Parole ausgegeben
hatten, Berlin „bis zum letzten Mann und zur letzten
Patrone“ zu verteidigen. Die in Berlin verbliebenen Wehrmachts- und SS-Einheiten sowie der aus Jünglingen und alten Männern rekrutierte „Volkssturm“ nahmen diese Parole zum Teil bitter ernst. Verbissen wurde um jedes Haus und um jeden Straßenzug gekämpft, wurden der Roten Armee große Verluste durch Heckenschützen und mit Panzerfäusten zugefügt. Doch die Übermacht war nicht aufzuhalten. Am 21. April überschritten die ersten sowjetischen Einheiten bei Marzahn die Stadtgrenze Berlins. Am 25. April wird der Einkesselungsring um Berlin vollständig geschlossen. Eines der letzten Gefechte entwickelt sich um das Reichstagsgebäude, das von SS-Männern bis zum 30. April gehalten wird. Am 8. Mai 1945 ist der Zweite Weltkrieg in Europa beendet, nachdem von Generaloberst Alfred Jodl, den Hitlers Nachfolger, Großadmiral Karl Dönitz, dazu autorisiert hat, die bedingungslose Kapitulation NaziDeutschlands unterzeichnet wird. EIN TAGEBUCH AUS MÄNNLICHER RUSSISCHER SICHT Mit „Deutschland-Tagebuch 1945–1946. Aufzeichnungen eines Rotarmisten“ von Wladimir Gelfand wird 2005 im Berliner Aufbau-Verlag erstmals ein privates Tagebuch eines Offiziers der Roten Armee aus dem Zweiten Weltkrieg in deutscher Sprache vorgelegt. Das authentische Dokument des jungen Leutnants, der im März 1945 22 Jahre alt wird, beinhaltet auch Eintragungen aus jenem Zeitraum, in dem Anonyma ihr Tagebuch führt. Wladimir Gelfand ist ein gebildeter und belesener junger Mann, der gelegentlich Gedichte schreibt und der von seinen grobschlächtiger gestrickten Kameraden und Vorgesetzten oft als Schöngeist belächelt wird; als Jude wird er obendrein bei Auszeichnungen meist übergangen, worüber er sich bitter beschwert. Dass nach der Eroberung Berlins kein Umgang mit Deutschen gepflegt werden darf, empört ihn – und er hält sich nicht an diesen Befehl, schon gar nicht, wenn es um deutsche Mädchen geht. Gewalt aber ist bei ihm nie im Spiel. Aus den mehr als 300 Druckseiten folgt hier ein etwas längerer Eintrag, der zwischen dem 25. und 27. April 1945 entstanden ist, nachdem Gelfands Einheit, die 301. Schützendivision, gerade die Spree am Treptower Park überschritten hat. „Vorgestern in einem Berliner Außenbezirk … Ich fuhr Fahrrad (ich hatte übrigens einen Tag zuvor gelernt, wie man sich auf diesem, wie mir scheint, wunderbaren Gerät fortbewegt) und begegnete einer Gruppe deutscher Frauen mit Bündeln, Packen und Koffern. […] Ich fragte die Frauen in gebrochenem Deutsch, wo sie wohnen, und erkundigte mich, warum sie ihre Häuser verlassen hatten. Schreckerfüllt erzählten sie von dem Leid, das ihnen die Sturmtruppen in der ersten Nacht, als die Rote Armee einrückte, zugefügt hatten. |
|
![]() |
|
| Sie
wohnten nicht weit von unserem Standort und der Gegend, wo ich meine
Ausflüge mit dem Fahrrad
machte, so dass ich ohne Probleme zu ihnen nach Hause gehen konnte, um
der ganzen Geschichte
ausführlich nachzugehen, besonders, da mich vor allem ein
wunderschönes Mädchen anzog, das nun so
zufällig und
für sie und ihre Eltern unerwartet jemandem
gegenüberstand,
der zu jenen gehörte, die diese
leidvollen Erlebnisse verursacht hatten. Ich ging mit ihnen. […] Sie wohnten nicht schlecht. Ein riesiges zweistöckiges Haus mit luxuriöser Möblierung, prächtiger Innenausstattung und Malereien an Wänden und Decken. Es war eine große Familie. Als unsere Soldaten kamen, wurden alle in den Keller getrieben. Die jüngste der erwachsenen Frauen, und wohl auch die schönste, nahmen sie mit und vergingen sich an ihr. >Sie haben mich hier gestoßen<, erzählte die schöne Deutsche und raffte ihren Rock. >Die ganze Nacht, und es waren so viele. Ich war Jungfrau<, seufzte sie und begann zu weinen. >Sie haben meine Jugend zunichte gemacht. Es gab Alte, voller Pickel, und alle sind auf mich draufgestiegen, alle haben sie mich gestoßen. Es waren über zwanzig, ja, ja<, und sie brach in Tränen aus. >Sie haben vor meinen Augen meine Tochter vergewaltigt<, warf die arme Mutter ein. >Und sie können noch mal wiederkommen und mein Mädchen erneut vergewaltigen.< Diese Worte ließen alle erneut vor Entsetzen zittern, und bittere Schluchzer hallten in dem Keller wieder, in den mich die Bewohner geführt hatten. >Bleib hier!<, bedrängte mich das Mädchen plötzlich, >du wirst mit mir schlafen. Du kannst mit mir machen, was du willst, doch nur du allein!< […] Sie zeigte alles, sie sprach über alles, und nicht, weil sie vulgär war. Ihr Kummer und ihr Leid waren stärker als ihre Scham und ihre Schüchternheit, und jetzt war sie bereit, sich vor den Leuten ganz auszuziehen, nur damit man ihren gequälten Körper nicht anrühren möge, einen Körper, der noch etliche Jahre hätte unberührt bleiben können, damit man nicht anrühren möge, was so plötzlich und grob – […] Das Mädchen umarmte mich, flehte mich an, lächelte mich durch die Tränen über das ganze Gesicht an. Es fiel ihr schwer, mich anzuflehen, doch sie bemühte sich, das gesamte Repertoire einer Frau einzusetzen, und sie spielte ihre Rolle nicht schlecht. Mich, der ich allem Schönen zugetan bin, konnte sie leicht mit ihren glänzenden Äuglein für sich gewinnen, doch es entschied die Soldatenpflicht, die über allem steht, und ich“ – [Hier bricht der Eintrag mitten im Satz ab.] OPFERFEINDLICHE SPRACHE In ihrem Buch „Der verlorene Kampf um die Wörter. Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt. Ein Plädoyer für eine angemessene Sprachführung“ (Junfermann Verlag Paderborn 2007) weist Autorin Monika Gerstendörfer überzeugend nach, dass wir durch unreflektierten Sprachgebrauch die Gewaltakte sexuell motivierter Täter bagatellisieren und damit die Opfer ein weiteres Mal demütigen und entwürdigen. Einleitend schreibt Monika Gerstendörfer: „Kinderschänder gibt es nicht. Sextouristen gibt es nicht. Kinderpornos gibt es nicht. Sexualmorde gibt es nicht. […] Bei >Kinderpornos< handelt es sich nämlich keineswegs um >gespielte< Sexdarstellungen, sondern um die Bilddokumentation real stattgefundener Misshandlungen bis hin zur Folter. Und ein sogenannter Sexualmord ist nichts anderes als ein Mord nach vorausgegangener physischer und psychischer Folter. […] So ist ein als >pädophil< bezeichneter Mann eben gerade nicht pädophil (Kinder liebend), sondern das krasse Gegenteil davon. […] Wenn also die Wörter, die Begriffe, die Sprachführung im Problembereich der sexualisierten Gewalt dazu beitragen, dass wir die Problematik einfach nicht in den Griff bekommen, ja dass die aktuelle Sprachführung eine gefährliche Waffe ist, die sich vor allem gegen die Opfer wendet, dann ist es unbedingt notwendig, hier auf nachhaltige Änderungen zu dringen.“ Im dritten Kapitel des Buchs geht es um „Krieg und Frieden“, und hier bringt Monika Gerstendörfer nicht zuletzt auch Dinge zur Sprache, die viel mit ANONYMA – EINE FRAU IN BERLIN zu tun haben. Unter der Überschrift „Die Funktionalisierung durch die Politik während des Zweiten Weltkriegs“ schreibt sie: „An den Massenvergewaltigungen deutscher Frauen in den letzten Kriegs- und den ersten Friedenswochen lässt sich vieles verdeutlichen, auch, dass die Massen vergewaltigungen in Bosnien und anderswo keine Erfindung der Neuzeit sind. Die Vergewaltigungen zum Kriegsende (April/Mai 1945) sind jedoch ein Sonderfall, nicht nur, weil sie >massenhaft< verübt wurden, denn Frauen wurden, wie bereits erwähnt, schon immer als eine Art Beute der siegreichen >Krieger< und Vergewaltigungen als Vergeltungsakte an den Gegnern betrachtet. |
|
![]() |
|
| […] Die deutschen
Frauen hatten keine Chance, all dem zu entgehen, denn im Berlin des
April 1945 waren
sie es, die trotz Bombardierungen aus den Schutzräumen gingen,
um Nahrung, Wasser u. a. zu besorgen.
Sie kochten sogar auf Holzöfen auf offener Straße
und mussten die kranken Männer pflegen. Von den Nazis
wurden sie durch Hetze und Angstmache auf die Vergewaltigungen
>vorbereitet<. Im Kampfblatt für die
Verteidigung Berlins hieß es:
„’[…] Mit vorgehaltener Waffe zieht
diese Soldateska von Haus zu Haus und
stiehlt Uhren und Schmuck, verlangt Schnaps und Zigaretten. Am Abend
durchsuchen die innerasiatischen
Wüstlinge die Wohnungen nach jungen deutschen Frauen und
Mädchen, schänden sie unter brutalster
Gewalt anwendung.’ Durch solche männlichen Hetzreden wurde unter den Frauen Angst und Panik verbreitet, gleichzeitig wurden die Männer gegen >den bösen Iwan< aufgehetzt. Tatsache ist jedoch, dass es keineswegs nur die Russen waren, die vergewaltigten. Die >Befreier<, also Amerikaner, Briten und Franzosen haben dies ebenfalls getan. Aber die Volksverhetzung durch Goebbels und andere wirkt bis in unsere Tage. Kaum jemand denkt bei den Massenvergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg an die Amerikaner oder gar an die Wehrmachtsbordelle der Deutschen und die sogenannten >Freudenabteilungen< der Nazis, in denen jüdische Frauen, Sintifrauen und andere das erdulden mussten, was vor wenigen Jahren den Frauen im ehemaligen Jugoslawien angetan wurde.“ Eine wenig glorreiche Rolle spielten die – zurückgebliebenen oder später zurückkehrenden – Männer, daran lässt Monika Gerstendörfer keinen Zweifel: „Es ist wichtig, die Frage zu stellen, wie und ob die zum Schutz der Frauen aufgeforderten deutschen Männer sich verhielten. Die Wahrheit ist: Unter Hunderttausenden soll es einige wenige gegeben haben, die für ihre Frauen eintraten und sogar ihr Leben für sie ließen. Die Masse aber verkroch sich hinter den Frauen. Die Herrenmenschen waren also unvorstellbar feige. Äußerungen wie ‚Euch tun sie doch nichts, ihr haltet doch bloß mal still. Aber uns bringen sie nach Sibirien’ sprechen für sich […]. Ein weiterer, todbringender Faktor für Frauen und Mädchen war und ist die sogenannte männliche Ehre. Nicht wenige Männer schickten ihre Frauen und Töchter in den Tod und gaben ihnen noch das Gift dazu oder den Strick. Viele Frauen sollen unter den Vorwürfen der eigenen Männer mehr gelitten haben als unter den Ver - ge waltigern, die sie ja meist gar nicht kannten.“ Fazit: „Vergewaltigung ist eine Erscheinungsform von Krieg, keine Begleiterscheinung.“ Und: „Die allgemeine gesellschaftliche Reaktion auf sexualisierte Gewalt gegen Frauen, auf Vergewaltigung, ist im Krieg nicht so sehr anders als im Frieden.“ Die traurige Statistik: „Die Zahl der Frauen und Mädchen, die in der sowjetischen Besatzungszone, in den ehemaligen deutschen Ostgebieten und auf der Flucht vergewaltigt wurden, wird auf 1,9 Millionen geschätzt.“ |
|
| |
|
| ÜBERLEBENSSTRATEGIEN
Es ist vielleicht einer der größten Vorzüge des Films ANONYMA – EINE FRAU IN BERLIN, dass er das Thema Überlebensstrategien in den Vordergrund rückt und damit zur Diskussion stellt. Das macht ihn auch höchst aktuell. Denn der Zuschauer wird nicht bloß mit einem historischen Stoff konfrontiert, sondern implizit auch darauf hingewiesen, dass unzählige Frauen heute in den Kriegs- und Krisengebieten des 21. Jahrhunderts mit den gleichen Problemen und Traumata zu kämpfen haben. Und vielleicht werden auch Erinnerungen daran wach, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass quasi „vor unserer Haustür“ systematisierte sexuelle Gewalt gegen Frauen an der Tagesordnung war – als der so genannte Jugoslawien-Krieg in den neunziger Jahren des gerade erst vergangenen Jahrhunderts tobte. |
|
![]() |
|
| Eine Verbindung zur Gegenwart schlägt auch Dr. Monika Hauser, Vorstandsfrau von medica mondiale, einem eingetragenen Verein, der traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegs- und Krisengebieten unterstützt. In einem Vortrag im August 2006 in der Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin sprach sie über „Das ewige Tabu“ Vergewaltigung: „Auf der Basis unserer langjährigen Arbeit in den Kriegsregionen, in denen medica mondiale tätig ist, stelle ich eine Verbindung von den Erfahrungen heutiger Überlebender zu den Erfahrungen von Frauen in der deutschen Nachkriegs-Zeit her. Ich behaupte, dass es eine verbindende patriarchale Systematik gibt, welche wahrzunehmen oder aufgezeigt zu bekommen, deutsche, westliche Männer sich mit allen Kräften dagegen wehren, nämlich dass ihre Verhaltens- und Denkschemata partiell beispielsweise zu denen afghanischer Männer durchaus Ähnlichkeiten aufweisen. Sexualisierte Gewalt ist ein ständiger Begleiter vor, während und nach Kriegen, ganz normale Männer nutzen diese grenzenlosen Möglichkeiten, die sich ihnen bieten – die sie vielleicht in der einschränkenden Normalität des Friedens nie selbst aktiv herstellen würden.“ | |
| |
|
![]() |
|
| |
|
| Wie aktuell das Thema ist,
zeigt die Tatsache, dass der UN-Sicherheitsrat im Juni 2008 einstimmig
die
Resolution 1820 verabschiedet, in der das UN-Gremium alle
Kriegsparteien auffordert, „sofort jede Form von
sexueller Gewalt gegen Zivilisten einzustellen und Maßnahmen
zum Schutz zu ergreifen.“ In dem Dokument
werden Vergewaltigungen offiziell als
„Kriegstaktik“ eingestuft, „die dazu
dient zu erniedrigen, zu unter -
drücken und ein Klima der Angst zu erzeugen und Zivilisten
oder Mitglieder bestimmter ethnischer Gruppen
gewaltsam zu vertreiben.“ US-Außenministerin
Condoleezza Rice, unter deren Leitung der UN-Sicherheitsrat
tagte, nennt als Beispiele die Republik Kongo (32.000 gemeldete
Fälle von sexuellen Übergriffen in der
Provinz Süd-Kivu), die westsudanesische Krisenregion Darfur
sowie Burma: „Vergewalti gung ist ein in keinem
Fall entschuldbares Verbrechen. Wir haben eine ganz besondere
Verantwortung, die Täter von sexueller
Gewalt zu bestrafen.“ Indirekt drohte der UN-Sicherheitsrat
damit, die Schuldigen vor das Internationale
Strafgericht in Den Haag zu bringen, denn in der Resolution wird
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass
Vergewaltigungen und andere Formen der sexuellen Gewalt als
„Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die
Menschlichkeit oder Bestandteil des Völkermordes“
geahndet werden können. Doch bedauerlicherweise geht es nicht nur um Kriegszeiten. Gerade auch nach Kriegen oder Pogromen liegt der allgemeine Gewaltpegel im Alltagsleben in der Regel wesentlich höher als zuvor, und Frauen und Mädchen bekommen dies besonders zu spüren. „Die Mitarbeiterinnen der Frauennotrufe und Frauen - beratungs stellen wissen nur zu gut, dass Vergewaltigungen auch in Friedenszeiten Bestandteil vieler Kulturen und Gesellschaften sind. Sie sind weder in Kriegs- noch in Friedenszeiten sexuell motiviert, sondern Sexualität wird zur Ausübung von Macht instrumentalisiert. Die betroffenen Frauen und Mädchen bleiben mit den tiefgreifenden Folgen fast immer alleine“, heißt es in einer Pressemitteilung des Bundesverbands Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe vom Juli 2008. Beispiele findet man, wohin auch immer man blickt. Nach der Terrorherrschaft der Roten Khmer stellen Be - obachter in Kambodscha im Sommer 2004 fest, dass Beteiligungen an Gruppenvergewaltigungen bei männ - lichen Jugendcliquen der Unter- und Mittelschicht geradezu die Norm sind. Sie „besorgen“ sich ein Mädchen und bringen es in eine Absteige, wo dann die Freunde auftauchen, wenn sie nicht schon dort gewartet haben, und alle zusammen vergewaltigen das Mädchen. Unrechtsbewusstsein fehlt den Jugendlichen völlig. Und wer nicht mitmacht, läuft Gefahr, sein Gesicht zu verlieren oder aus der Gruppe ausgeschlossen zu werden. Ähnliche Probleme – ganz abgesehen von der rasant zunehmenden Anzahl an Aids-Kranken – findet man in Südafrika. Im Jahr 2004 werden dort offiziell 55.000 Vergewaltigungen registriert. Inoffizielle Schätzungen aber besagen, dass die wahre Zahl der Opfer etwa zwanzigmal (!) höher liegt. Das würde bedeuten, dass in Südafrika alle 23 Sekunden eine Frau vergewaltigt wird. Und: In Kapstadts Groote-Schuur-Krankenhaus für Vergewaltigungsopfer schätzt man, dass es sich bei etwa 75 Prozent aller sexuellen Übergriffe um Gruppen - vergewaltigungen handelt. Kambodscha und Südafrika sind weit weg – doch auch Deutschland ist betroffen, wenn man ein kurzes Schlaglicht auf den Frauen- und Kinderhandel wirft. Nach Schätzungen der International Organization for Migration (IOM) werden jährlich weltweit über eine Million Frauen und Kinder verkauft: „Eine Diktatur wie die Republik Weißrussland >exportiert< an die 10.000 Frauen und Mädchen pro Jahr, in der gleichen Zeit importiert selbst ein demokratischer Staat wie Deutschland schätzungsweise 50.000 Frauen und Kinder.“ Dies ist nachzulesen unter: http://www.eurozine.com/articles/2005-10-28-csmith-de.html Szenenwechsel zurück in die Vergangenheit: Bis heute vollkommen tabuisiert worden ist die Tatsache, dass bei der Besetzung Berlins auch halbwüchsige Jungen vergewaltigt worden sind. Die Psychologin Monika Gerstendörfer meint dazu: „Bei sexualisierter Gewalt geht es ja immer vor allem um die Auslöschung dessen, was einen Menschen ausmacht; durch seine/ihre vollständige Demütigung. Im Krieg dient diese Form der Gewalt zur totalen und kollektiven Demütigung des Gegners. Auf beiden Seiten natürlich… Das >Besitzstück Frau< wird dem Gegner so genommen. Sie sind ab da >Geschändete<, womöglich noch vom Gegner geschwängert; Stichwort: Genozid durch Femizid. Was insbesondere halbwüchsige Jungen angeht, so dürften das Muster und die Absicht ähnlich sein. Halbwüchsige sind ja die Nachkommen der Männer des Gegners, also die potenziellen Neu-Gegner und die potenzielle neue Generation. Wenn man die ebenfalls demütigt – und das funktioniert über sexualisierte Gewalt eben am besten – dann hat man eine ganze Generation (die Mädchen, die Frauen allen Alters und noch die heranwachsenden Jungen) nachhaltigst geschä digt. Bei Jungen führt erlebte sexualisierte Gewalt ja zum Mythos der >Entmännlichung<… Dies gilt für die Außenwelt, aber auch für das eigene Erleben. Und in der Tat reden die meisten Opfer nicht, weil sie sich aus Unkenntnis nach solchen Gewalttaten fragen, ob sie eventuell schwul (also keine >richtigen Männer) sind. Dabei sind sie nur nicht aufgeklärt und wissen nicht, dass die Analvergewaltigung bei Jungen und Männern via sensorischem Automatismus zu einer Erektion führt. Letztere hat mit >sexuellem Erleben< gar nichts zu tun, wird aber fehl-attributiert, aus Unwissen. Will heißen: wieder stehen wir hier vor der fatalen Vermischung der Kategorien >Sexualität< und >Gewalt< …“ In der Zeit vor, während und nach der Besetzung Berlins waren die Männer den Frauen keine große Hilfe. Das konnten sie auch gar nicht sein. Zum einen muss man die demographischen Daten beachten. Von den vormals (im Jahr 1939) 4,3 Millionen Einwohnern waren nur noch maximal 2,8 Millionen vorhanden. Zwei Drittel davon sind Mädchen und Frauen jeglicher Altersstufe. Das männliche Drittel der Zivilbevölkerung sind Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 16 und Männer ab 60 Jahren. So lag die Beschaffung von Wasser, Lebensmitteln, Kleidung und Brennmaterial weitgehend in den Händen der Frauen, die sich dabei oft in Lebensgefahr begaben. Man darf nicht vergessen, dass in den elf Wochen, bevor die Rote Armee Mitte April ihre Landoffensive gegen Berlin startete, 85 Luftangriffe von meist amerikanischen und britischen Verbänden geflogen worden waren, bei denen 200.000 Menschen entweder ums Leben kamen oder zur Flucht aus der Stadt veranlasst wurden. Auch Anonyma befasst sich in ihrem Tagebuch in langen Passagen ausführlich mit den Problemen, die das Beschaffen der allernötigsten Dinge für das tägliche Leben mit sich brachte. Nach dem Ende des Krieges besserte sich die Situation der Frauen, aber auch die der Männer nur langsam. Im April 1947, also zwei Jahre nach der Schlacht um Berlin, gaben die Außenminister der Alliierten bekannt, dass sich noch folgende deutsche Soldaten in Kriegsgefangenschaft befanden: 30.967 bei den Amerikanern, 435.295 bei den Briten, 631.483 bei den Franzosen, 890.532 bei den Sowjets. Die letztere Zahl schockierte besonders: man war bis dahin von bis zu drei Millionen Kriegsgefangenen in der Sowjetunion ausgegangen. Und wenn die Männer dann heimkamen – was für Männer waren das! Im wahren Sinne des Wortes an Leib und Seele gebrochen. Dass dies manche keineswegs daran hinderte, ihren Frauen eine Mitschuld an den Geschehnissen (sprich: Vergewaltigungen) zu geben, wurde bereits erwähnt. Die letzten Kriegsgefangenen kamen Ende 1955 in die Bundesrepublik zurück – man nannte sie (wie alle, die erst ab 1947 freigelassen wurden) „Spätheimkehrer“. Per Gesetz wurden ihnen pro Gefangenschaftsmonat 30 Deutsche Mark Entschädigung zugesprochen. |
|
![]() |
|
| Man könnte es auch so sagen: Es waren in erster Linie die Frauen, die die Grundlagen für das geschaffen haben, was man in den sechziger Jahren das Wirtschaftswunder nannte. Denn die Lektionen in Sachen Überlebensstrategien, die sie während des Krieges und in der Nachkriegszeit lernen und anwenden mussten, werden sie ihr Leben lang nicht vergessen haben. | |
| |
|
| FILMPÄDAGOGISCH-METHODISCHE VORSCHLÄGE ZUR ARBEIT MIT „ANONYMA – EINE FRAU IN BERLIN“ THEMEN/LEHRPLANBEZÜGE, AB KLASSE 10: | |
| |
|
![]() |
|
| |
|
| DEN KINOBESUCH
VORBEREITEN „Jetzt gehört alles allen.“ – 7 Tage im Leben von Anonyma, Situations - beschreibung vom 20. bis 27. April 1945 in Berlin | Einen unbekannten Text als historische Literaturquelle erfassen, Arbeitstechniken einüben wie z. B. Gedankengänge zusammenfassen oder wichtige Textstellen anführen, das Tagebuch als sprachliches Mittel erkennen und bewerten, Inhalt historisch in die letzten Kriegstage des 2. Weltkrieges und die Befreiung Berlins durch die sowjetische Armee einbetten Anonyma bezeichnet ihre ca. zweimonatigen Aufzeichnungen als „Versuch eines schriftlichen Selbst - gesprächs“, eigentlich nicht zur Veröffentlichung gedacht. Talentiert im Schreiben, nutzt sie diese Fähigkeit, um ihre Grenzerfahrungen dieser Extremsituation zu verarbeiten. Lediglich ihr Mann Gerd würde die Hefte vielleicht zu Gesicht bekommen. Dieser authentische Bericht unterscheidet sich damit von der bekannten Kategorie „Trümmerliteratur“ oder „Kahlschlagliteratur“ (Borchert, Böll, Gruppe 47). |
|
![]() |
|
| Das Erlebte, die
lebensbedrohende Realität verändert die Sprache. Sie
wird härter, konkreter ohne aus
vorhandener Erziehung und Bildung auszubrechen. Der Krieg hinterlässt äußerliche und innerliche Spuren: ausgebrannte Häusergerippe, Straßen wie Mond - landschaften; Sprachlosigkeit, starre Mimik und Blicke, Verängstigung, Schlaflosigkeit, abnormes Verhalten. Hunger, Not, Elend, Verrohung, Verzweiflung, sich mitschuldig zu fühlen, allein durch die Tatsache des Über - lebens, sind elementare menschliche Empfindungen, die Filmbilder widerspiegeln und an Aktualität nichts eingebüßt haben. Aufgabe: |
|
![]() |
|
![]() |
|
| |
|
| DEN KINOBESUCH
NACHBEREITEN Die filmische Interpretation ermöglicht eine konkretere Ausschmückung der erzählten Ereignisse und reduziert gleichzeitig das Geschehen auf prägnante Momente und Aktionen. Ein ausgewählter Personenkreis wird an einem abgesteckten Ort zu einer konkreten Zeit in Szene gesetzt. Gerade in Zeiten der Sprachlosigkeit wie im vorliegenden Buch beschrieben, fangen Bilder die reduzierten Worte auf, verdeutlichen dem Zuschauer die Gefühlslage ihrer Hauptakteure, in einigen Sequenzen fast als Kammerspiel, wie z. B. in den Szenen nach Heimkehr der Männer. „Es begann mit Stille.“ – Tag der Katastrophe. Die Filmhandlung | Aspekte des Inhalts und der Handlungsführung untersuchen, z. B. Haupthandlung, Nebenhandlungen, Handlungs - träger, die Erzähltechnik und die Umsetzung durch filmische Mittel ergründen Aufgabe: |
|
![]() |
|
![]() |
|
![]() |
|
| „Nichts soll mich mehr
berühren!“ – Überlebensstrategien
in einer
Extrem situation | Die
Phasen menschlicher Überlebensstrategien an einem konkreten
Beispiel
erfassen und reflektieren, die Veränderung von moralischen und
Wertevorstellungen unter geschlechts -
spezifischen Gesichtspunkten erkennen und kommentieren, in Schlagzeilen
über eine mediale Form Frauenund
Männerstandpunkte äußern und diskutieren
Die sonst üblichen Anpassungsmuster, Wertvorstellungen und Abwehrmechanismen brechen in einer Extremsituation wie die zu Zeiten eines verheerenden Krieges zusammen. Ein Mensch kommt an die Grenzen seiner physischen und psychischen Belastbarkeit. Ohnmacht, irrationale Gefühle, Depression, aber auch Aggression, der Wille zum Überleben, die Suche nach Trost, Geborgenheit und emotionaler Stabilisierung, die Kunst vieles zu verdrängen (siehe auch das Stockholm-Syndrom), verändern persönliche Einstellungen, private Bindungen und gesellschaftliche Bezüge. |
|
![]() |
|
| Die gesellschaftliche Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern war längst aus den Fugen geraten, auch wenn offiziell patriarchalische Denkweisen vorherrschten. 1949 wurde im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland im Artikel 3, Absatz 2 die Gleichberechtigung von Mann und Frau verankert. Erst 1957 wurde das Familiengesetz geändert und damit die Erwerbsbeschränkungen für verheiratete Frauen und der Numerus Clausus für Studentinnen, der seit 1934 bestand. | |
![]() |
|
![]() |
|
| |
|
![]() |
|
| „Was soll das zum Beispiel heißen? … „Schdg“ – Tabus brechen (sich mit sozialen Normen des Zusammenlebens auseinandersetzen, die Frage von Tabus in der Gesellschaft für sich selbst bestimmen, begründen und nachvollziehbar vertreten) Anonyma: „ Tja, mit dem wilden Drauflosschänden der ersten Tage ist es nichts mehr. Die Beute ist knapp geworden. Und auch andere Frauen sind, wie ich höre, inzwischen genau wie ich in festen Händen und Tabu. … Womit ich die Frage aber noch nicht beantwortet habe, ob ich mich nun als Dirne bezeichnen muss, da ich ja praktisch von meinem Körper lebe und für seine Preisgabe Lebensmittel beziehe. … Es ist immerhin ein altes, ehrwürdiges Gewerbe und reicht hinauf bis in die höchsten Kreise. …“ (aus: Anonyma – eine Frau in Berlin) |
|
![]() |
|
| Frauen wie Anonyma, die trotz
Demütigung und Zerstörung ihrer
Persönlichkeit versuchten, den Respekt vor
der eigenen Person und ihre Selbstachtung zu bewahren, stellten die
Minderheit dar. So wundert es nicht,
dass die Autorin bis zu ihrem Tod verfügte, nicht benannt zu
werden. Solche Tabus, generell Tabus zur
Thematik „Drittes Reich“ zu brechen, ist auch heute
noch ein gewagtes Unterfangen. Doch es ist wichtig,
Bilder auf- und wahrzunehmen, die nachdenklich machen und bei denen
oftmals weggesehen wird, weil
menschlich Erschreckendes gezeigt wird. Aufgabe: |
|
![]() |
|
|
|
|
![]() |
|
|
|
|
| Auch der Beitrag von Claudia Schmölders (siehe Tipps) geht auf die Problematik menschlicher Ethik ein und kann hier herangezogen werden. In einem Pro- und Contra-Gespräch wird das ausgewählte Tabu erörtert und schriftlich ein gemeinsames Statement verfasst, um es auf den vorhandenen Blog zu stellen. | |
|
|
|
![]() |
|
![]() |
© Constantin Film

25 June 2015
“Once again I have to reflect on what it means to stand alone in fear and misery. It seems easier to me when the torment of sharing another person's suffering is absent. What must the mother of a ruined girl feel? What must anyone who truly loves someone feel when they cannot help, or do not dare to help?”
More than sixty years ago, the author and journalist writing under the pseudonym Anonyma put these sentences into the diary that would later appear on bestseller lists.
Anonyma describes the struggle for survival and the humiliation of women through the mass rapes committed by Red Army soldiers in Berlin in 1945, without making violence and rape the sole focus of her account.
It remains a taboo even today. The film ANONYMA — A WOMAN IN BERLIN offers an opportunity finally to break that taboo and to connect the past with the present, because women in war zones are still raped, humiliated and used as “spoils of war” every day.
We are challenged to answer the questions that arise — as this film does: openly, honestly and without sparing us. Our children deserve this, as do all the women who, to this day, have been unable to speak about what happened to them.
We would like to encourage you to address this still-existing taboo in your lessons and seminars. The materials we have compiled are intended to support you in doing so.
Vera Conrad, together with the authors Regine Wenger and Rolf Thissen
It is the final days of the war, Berlin in April 1945. In the cellar of a half-destroyed apartment building people crouch and wait. They have survived the nights of bombing and the artillery fire. Most of them are women, and they have an idea of what awaits them. The Red Army is about to enter Berlin.
There is the ever-helpful widow (IRM HERMANN); the high-spirited sisters Bärbel (JÖRDIS TRIEBEL) and Greta (ROSALIE THOMASS); the elderly bookseller (KATHARINA BLASCHKE); the liqueur manufacturer (MARIA HARTMANN), whose husband left her for a younger woman; the lesbian couple Steffi (SANDRA HÜLLER) and Lisbeth (ISABELL GERSCHKE); the resolute eighty-year-old (ERNI MANGOLD); the desperate refugee girl (ANNE KANIS); mothers with their children; and a few older men from whom the war has drained all strength.
Above all there is Anonyma (NINA HOSS), not yet thirty, once a journalist and photographer. She records the events of the coming days for her partner Gerd (AUGUST DIEHL), who disappeared years earlier on the Eastern Front.
These will be days of terror and deeply contradictory experiences. Like most of the women, Anonyma is raped repeatedly by the victors. But she refuses to remain merely a victim. With courage and an absolute determination to defend her dignity, she makes a decision: she will find herself “a wolf,” a Russian officer who can protect her from the others. In return she will sleep with him — voluntarily.
Then something happens for which she is least prepared. The courteous, melancholy officer Andrei (EVGENY SIDIKHIN) awakens her interest. A genuine closeness develops. And yet they remain enemies to the end — he a Soviet soldier, she a German woman.
The other women also develop their own strategies, sometimes cheeky, sometimes submissive, often aimed at obtaining small advantages. It also becomes clear that the Soviet soldiers themselves long for human closeness. They settle into the bombed-out building. Finally, victors and vanquished even celebrate the end of the war together, like a wild dance on a volcano. Something does unite them: after a long war, they have escaped death.
After the terror of male violence and a whirl of emotions, a view toward the future slowly opens — a future in which normal life can begin again, very gradually. (Source: press booklet)
In three densely written school notebooks Anonyma — at the time still relatively young, but already a well-travelled journalist — recorded her experiences in Berlin from 20 April to 22 June 1945, when looting and raping Red Army soldiers moved through the city and she herself became a victim.
Beginning in July 1945, these notebooks were turned into 121 closely typed pages on grey wartime paper. Years later the typescript came, among others, into the hands of the writer Kurt W. Marek (C. W. Ceram), who quickly recognized the historical value of a document that went far beyond one woman's private experience.
Ceram honoured the author's wish to remain anonymous and arranged for a New York publisher to issue a translation in the autumn of 1954. A British edition followed in 1955. Since then translations have appeared in Swedish, Norwegian, Dutch, Danish, Italian, Japanese, Spanish, French and Finnish.
A German-language edition of the original was published by a Swiss publisher in 1959, but it attracted little attention in the Federal Republic. Only when Hans Magnus Enzensberger included it in his “Die andere Bibliothek” series at Eichborn in 2003 did it become one of the most widely read books of the year, with critics almost unanimously praising it as an extraordinary contemporary testimony.
Enzensberger respected the wish of the author, who had died in 2001, to remain anonymous even after her death. At the end of September, however, the Süddeutsche Zeitung revealed Anonyma's identity. In Die Zeit of 2 October 2003 Iris Radisch called the disclosure a case of “journalistic machismo.” A day earlier Joachim Güntner, writing in the Neue Zürcher Zeitung, one of Europe's most respected newspapers, had reached the harsh conclusion: “The evidence that would distinguish serious journalistic research from malicious gossip is still lacking.”
In January 2004 the writer Walter Kempowski, a recognized expert on diaries, spoke in favour of the authenticity of Anonyma's texts, helping to bring the unpleasant controversy to an end.
It is the last great taboo of the Second World War. Even today there are few publications on the subject, even in academic research: no standard work and no reliable figures. Hundreds of thousands of women, especially in eastern Germany, were raped during the final weeks of the war. Some estimates range between one and two million, but they are not reliable. How could they be? Hardly anyone spoke publicly about it — least of all the women themselves. Even within families there was something like a ban on speaking. The shame was as great as the suffering, especially in relation to one's own husband and one's own children.
Where scholarship did approach the subject, it relied largely on the few written testimonies available. Historians work from files and documents; oral research has traditionally been less familiar to them. It was therefore journalists such as Erich Kuby (The Russians in Berlin 1945) and above all filmmaker Helke Sander who produced some of the most substantial work on the complex of mass rape.
Helke Sander's film BeFreier und Befreite appeared in the early 1990s together with a book of the same title. Alongside numerous personal testimonies, it attempted for the first time to quantify the shocking scale of the events. One may have doubts about the methodology used to arrive at those figures, but there can be no doubt that the scale was enormous and that the successful suppression of the subject can justifiably be called scandalous.
In men's wars, women have always been treated more or less as a self-evident form of booty. Today this might be described as “collateral damage.” Judging from reports from the former Yugoslavia, Iraq or Afghanistan, little has changed in our own time. Even so, the scale of the rapes in 1945 was extreme and unprecedented.
The taboo surrounding these events has many causes. The most important is Germany's own grave guilt. For decades it was difficult, indeed almost impossible, for Germans to deal with crimes of the Nazi era and the war in which they could also see themselves as victims. In post-war Germany this attitude was largely uncontested. Only more recently, and not without critical objections, has there been a willingness in some cases to admit a different perspective.
It undoubtedly also mattered that the perpetrators of many of these rapes were soldiers of the Red Army, while many of the victims became citizens of the GDR. In East Germany it was politically unacceptable to burden the “liberators” with such a stain.
It was therefore a remarkable exception when Bertolt Brecht wrote cautiously in his working journal on 25 October 1948, trying to do justice to both sides:
“Even now, after three years, I hear that among the workers the panic caused by the looting and rapes following the conquest of Berlin still trembles beneath the surface. In the working-class districts the liberators had been awaited with desperate joy, arms outstretched, but the encounter became an assault that spared neither seventy-year-olds nor twelve-year-olds and took place in full public view. It is reported that during the fighting Russian soldiers, bleeding, exhausted and embittered, still ceased fire to allow women to fetch water, led the hungry from their cellars to bakeries and helped dig out those buried beneath rubble; but after the fighting drunken hordes went through the apartments, fetched the women, shot men and women who resisted, raped in front of children, queued outside houses, and so on …”
Not least, the women themselves prevented the subject from being discussed. Understandably, they had no “interest” in being confronted again with something which, despite all the violence inflicted upon them, they often regarded as their own shame.
Even the ten-volume overall history of the Second World War edited by historian Rolf-Dieter Müller on behalf of the Military History Research Office treats the rapes only in passing. Again there are no figures: it uses the broad term “hundreds of thousands” and, faced with the impossibility of reliable quantification, speaks of victims as “countless and nameless.”
Whenever the crimes against women in Berlin in 1945 have been discussed during recent decades, people have repeatedly referred to Anonyma's diary A Woman in Berlin. It remains the best-known authentic published testimony dealing directly with the mass rapes of the final phase of the war. It is significant that the author refused to reveal her name even decades after the events she described. We respected her wish to remain anonymous beyond death, although her name has meanwhile become public elsewhere.
There have been attempts to question the authenticity of the document. They were not convincing. Walter Kempowski's expert assessment also refuted them. The events themselves are in any case beyond dispute.
Anonyma kept her diary in Berlin from 20 April to 22 June 1945 and, under the guidance of her mentor Kurt W. Marek — the well-known C. W. Ceram — first published these notes in an English translation in New York in 1954. The book was an immediate success. After roughly a dozen further foreign editions, it appeared in German at the end of the 1950s and passed largely unnoticed. The temporal distance was still too small, the wounds too fresh. In those years people were generally preoccupied with pushing the events of the Second World War as far as possible out of collective memory.
It was not only the content that deterred readers but above all the tone in which Anonyma processed her experiences. It is free of self-pity: no pathos of victimhood, no appeal for sympathy. She describes weeks of terror and persecution with self-confidence and with the brisk, matter-of-fact coolness so characteristic of a Berliner.
She refused to be broken, as did many women around her. Her will to survive was powerful. Nor did she shy away from “prostituting” herself when she saw no other way to secure survival.
But that was precisely what outraged many German readers of the 1950s: her willingness to do what seemed impossible, to ignore the rules of bourgeois morality with bold determination because obeying those rules would quite possibly have killed her, and then defiantly to write about it. Their image of the German woman allowed little beyond the role of sacrificial victim, even to the bitter end.
When Hans Magnus Enzensberger revived the book at the beginning of this century and published it in his “Other Library,” the response was overwhelmingly positive. Driven by the enthusiasm of critics, the book immediately entered the bestseller lists, and new editions followed in many countries.
I immediately sought the film rights. This was not simple because their holder — a friend of the deceased Anonyma and the widow of Kurt W. Marek — initially refused permission. She had to be persistently courted and persuaded. In the meantime many requests for the film rights had arrived from Germany and abroad, including the United States.
The film confronts the subject in a complex and unusual way. It does not tell a conventional victim story. It does not conceal who attacked in this war, who the perpetrators were and therefore who caused the catastrophe. It is not a film about “poor German women” and “evil Russian soldiers.” At the same time it does not evade the hard facts. This is a narrow line to walk, but it is possible because Anonyma herself made the courageous decision not to define herself only as a victim.
She also gave us the opportunity to avoid something that repeatedly happens in comparable German films: removing the protagonists from the political context of the Nazi era and thereby ideologically absolving them. We faced the fact that Anonyma was part of the system. “Was I for it myself? Against it?” she writes in her diary. “In any case I was right in the middle of it and breathed the air that surrounded us and coloured us, whether we wanted it to or not.” She was a journalist and therefore had few possibilities of escaping the expectations of those who ruled the country. She wrote texts of the kind that were written at the time, including by journalists who would later represent the democratic spirit of the Federal Republic.
We also tried to portray the Russian soldiers as human beings. Many were simple peasants who had been promised rich Germany as booty, as compensation for the suffering they had endured. No other people suffered anything close to the same number of casualties. Of the more than fifty million dead of the Second World War, more than half were citizens of the Soviet Union.
The rapes and the courageous self-assertion with which a group of Berlin women try to deal with them form the framework of the film. At its core, however, the film tells the highly dramatic story of two people who are enemies and nevertheless develop strong feelings for one another. We base this on cautious hints in the diarist's text, but permit ourselves to go beyond them.
“War changes words,” Anonyma says to her protector. “Love is no longer what it was.” When Gerd, her husband, returns at the end, we experience the true drama of the story. Most of the women endured their wounds with courage. It was the men who could not cope. (Source: press booklet)
When I first read Anonyma, I was divided. On the one hand I was shocked by what happened in Berlin. On the other, I was captivated by the intelligence and merciless clarity with which the anonymous author reported the events. I could not escape the pull of her narrative. Yet there remained a small, nagging distance. It had to do with the author's aura.
Her completely unsentimental way of writing, the hardness of her gaze at herself and everyone else — Germans and Russians alike — was unsettling. Why? Perhaps because a woman who had experienced something like this was expected to suffer more, to be more visibly a victim? A great many questions opened up, and the only thing I knew at the very beginning was that I would have to face them.
First came the question of the historical significance of the diary. Hundreds of thousands, perhaps millions, kept silent about the events of that time. What happened was, and in many respects still is, taboo for both Germans and Russians. May one touch such a taboo? And if so, how can one write and stage such monstrosities without exposing or injuring the people who were involved? Who gives us the right to break the silence of so many people?
Historical subjects are popular. But precisely that often makes them questionable. Cinema and television can of course emotionalize history and make it “experienceable again.” But why? Must we appropriate every painful period simply because it yields good stories? Or may we stand over the past like a governess and dictate how life had to have been in order for it to fit into a plot that can be consumed today?
I think storytellers, and the film and television industry connected with them, are allowed to do this. The question is only whether these newly invented, often highly standardized narratives come even approximately eye to eye with the reality they depict; whether they try to let reality retain priority, or whether they are merely a drastic miniaturization of what actually happened.
With ANONYMA, my co-author Catharina Schuchmann and I tried to follow the diary and a great deal of additional research. Together with historian Dr Elke Scherstjanoi we entered this cruel and deeply contradictory period and tried to hear what it wanted to tell us in its many voices.
That took time. About seven months passed between my first and second meetings with my producer Günter Rohrbach — months filled with desperate yet strangely life-affirming women who, in order to survive, courageously pushed themselves beyond the suffering and collapse of their men. Women who preferred actively to “prostitute” themselves to one soldier rather than remain exposed to repeated rapes by many soldiers. It was a search for the smallest possible degrees of freedom in order to preserve one's personality and stay alive.
They were women who could be mocking, cheerful and sometimes bitter. Women who simply did not fit into a conventional plot. Yet more and more I wanted to tear them away from silence. Why? Because it matters to speak about how people react when precisely that which must never happen happens to them. Because what occurred then through rape is still happening every second somewhere in the world. And because perhaps it is also useful that a woman who prostitutes herself need no longer see the moral boundary she crosses only as her own private abyss.
How many of these women went on living with this “guilt,” which was no guilt at all, and with a lifelong silence that probably became heavier and heavier? How many men suspected something and also remained silent? What did these marriages look like later? It is impossible to approach these events without thinking about how profoundly they affected family life.
How many women lost respect for men they had once revered as heroes, mobilized their own strength and simply got on with the work? Today we might call that emancipation. At the time it was about silence, suppression and reconstruction — rebuilding not only the cities but also the sick and broken men who were needed again as heads of families as quickly as possible.
The author of ANONYMA saw all of this with a dissecting, sharp eye. She sensed the future and refused to remain silent. She was intelligent enough to recognize the timeless, almost archaic nature of these brutal processes. At the same time every detail, every human impulse mattered to her. She wanted to record, report and understand. She would have laughed at the hope that such a report might change life. Truth was closer to her than morality.
By describing a brief moment of sexual fulfilment with a Russian major she broke not only the taboo against allowing herself to be touched, but also the taboo against writing about it. She knew that someone who admitted such a thing would no longer be accepted as a model of moral world-improvement. I see it differently. Her courage in describing even the most extreme experience can only be an example to us all, because the command to remain silent in an era is often precisely what damages that era most.
And then there are the Russians — “the beasts.” Many of them had been brutalized by their own leadership; many were sent into the fire. Many were convinced Soviets, others were murderers and rapists. Soviet losses are estimated at about 26 million, at least half of them civilians: old people, women and children. Anyone who reached Berlin had seen fire and death and an endless amount of blood. Anyone who reached Berlin was capable of extremes. All of them? Certainly not.
Our judgement about Russian brutality is firmly established, even today. So why challenge it? Because the contradictions within the Red Army were enormous and because hundreds of thousands of soldiers were not rapists and murderers. In order to understand those who did not belong to that category, I wrote the first version of the screenplay from a Russian perspective. Only after that was I able to commit myself to the project with my extraordinarily patient producer. I would like to thank him here for his great trust and intensive collaboration.
I was less concerned than he was with “justice.” Given the historical complexity of the subject, I could not even say exactly what that means. But I know the events and their authenticity very well.
When one immerses oneself intensely in a period, it begins to speak through you. We heard the Russians' laughter, mockery and speeches. We smelled their raw liquor, saw their exuberance and brutality. We knew their powerful faces long before we worked our way through photographs of hundreds of Russian actors and around two thousand extras.
And at some point a miracle happened. The period we had been trying to understand stood in front of us: worn uniforms, exuberant joy, desire for revenge and violence; the anxious faces of women who did not know what was coming; the horribly bitter aftertaste of German crimes and the unconditional will to live. “Perhaps it could have been like this,” I thought. Now I only had to make the film.
One final word about the relationship between Anonyma and the major. Our research suggests that Anonyma may have felt more for him than the diary explicitly reveals. Nevertheless, like most women in those mercilessly constricted weeks, she remained without illusions. He was Soviet. She was German. Neither of them moved even a millimetre away from his or her own thinking or origin. And yet she could not help taking this profoundly foreign, idealistic and unpredictable man into herself.
Their story is one of a steadily growing attraction between enemies. They both knew they had no future. Yet each tried to give the other everything the war still allowed them: eyes, words, breath, heart. Is that love? Anonyma did not call it that. And if she had, perhaps she would have found another word. (Source: press booklet)
In the so-called London Protocols of 12 September 1944 the Allies agreed that Greater Berlin, like Germany as a whole, would be divided into three sectors. At the Yalta Conference the heads of government of the United States, the Soviet Union and the United Kingdom approved this arrangement. The Western Allies did not move into Berlin, however, until after withdrawing from territory that would later become the Soviet Occupation Zone.
On 11 July 1945 the Allied Kommandatura, expanded to administer Berlin under four powers, began its work for the American, British, French and Soviet sectors. Until that date the Red Army had been the only occupying power in Berlin.
The so-called Battle of Berlin began on 16 April 1945 with a Red Army pincer movement intended to encircle the city. On the Soviet side around 2.5 million soldiers, including 180,000 Poles, fought with 6,250 tanks, 7,500 aircraft and well over 10,000 artillery pieces. Opposing them were about one million German soldiers with 800 tanks and fewer than 100 aircraft.
The Berlin garrison capitulated on 2 May 1945. Estimates put the losses in the fighting at around 250,000 dead and 450,000 wounded. At least 100,000 of the dead were civilians. Around 600,000 apartments had been destroyed.
The losses were so high partly because Stalin wanted Berlin captured as quickly as possible in order to secure a strategic advantage in later negotiations with the Western Allies, and partly because the Nazis had issued the order to defend Berlin “to the last man and the last cartridge.”
The Wehrmacht and SS units remaining in Berlin, together with the Volkssturm recruited from boys and elderly men, sometimes took that slogan bitterly seriously. They fought stubbornly for every building and every street, inflicting heavy losses on the Red Army with snipers and Panzerfaust anti-tank weapons. But the overwhelming force could not be stopped.
On 21 April the first Soviet units crossed Berlin's city boundary near Marzahn. On 25 April the encirclement of Berlin was complete. One of the last major battles developed around the Reichstag building, which SS troops held until 30 April.
On 8 May 1945 the Second World War in Europe ended after Colonel General Alfred Jodl, authorized by Hitler's successor Grand Admiral Karl Dönitz, signed Nazi Germany's unconditional surrender.
In 2005 Aufbau Verlag in Berlin published Deutschland-Tagebuch 1945–1946. Aufzeichnungen eines Rotarmisten by Vladimir Gelfand — the first private wartime diary of a Red Army officer to appear in German. The authentic record of the young lieutenant, who turned twenty-two in March 1945, includes entries from the same period covered by Anonyma's diary.
Gelfand was an educated and well-read young man who occasionally wrote poetry. His rougher comrades and superiors often mocked him as an aesthete. As a Jew, he was also frequently passed over for decorations, something he complained about bitterly.
After Berlin was captured, Soviet soldiers were officially forbidden to socialize with Germans. Gelfand was outraged by this rule and did not obey it, especially when German girls were concerned. Violence, however, plays no part in his own encounters.
From more than 300 printed pages, the following is a somewhat longer entry written between 25 and 27 April 1945, after Gelfand's unit, the 301st Rifle Division, had just crossed the Spree near Treptower Park:
“The day before yesterday in an outer district of Berlin … I was riding a bicycle — incidentally, I had learned only the previous day how to move about on this, to my mind, wonderful device — and met a group of German women carrying bundles, packages and suitcases. […] In broken German I asked where they lived and why they had left their homes. Terrified, they told me about the suffering inflicted on them by the assault troops on the first night after the Red Army arrived.
They lived not far from our position and from the area where I made my bicycle excursions, so it was no problem for me to go home with them and investigate the whole story in detail, especially since I was drawn above all to one beautiful girl who now, by chance and completely unexpectedly for herself and her parents, stood face to face with someone belonging to those who had caused these painful experiences. I went with them.
[…] They did not live badly. A huge two-storey house with luxurious furniture, splendid interior decoration and paintings on the walls and ceilings. It was a large family. When our soldiers came, everyone was driven into the cellar. They took the youngest of the adult women, and probably the prettiest, and assaulted her.
‘They pushed me here,’ the beautiful German woman told me, lifting her skirt. ‘All night long, and there were so many of them. I was a virgin,’ she sighed and began to cry. ‘They destroyed my youth. There were old men, full of pimples, and all of them climbed on top of me, all of them pushed into me. There were more than twenty, yes, yes,’ and she burst into tears.
‘They raped my daughter in front of my eyes,’ the poor mother added. ‘And they can come back again and rape my girl again.’ Those words made everyone tremble once more with horror, and bitter sobbing echoed through the cellar into which the residents had led me.
‘Stay here!’ the girl suddenly urged me. ‘You will sleep with me. You may do anything you want with me, but only you alone!’ […] She showed everything, she spoke about everything, not because she was vulgar. Her grief and suffering were stronger than her shame and modesty. Now she was ready to undress completely in front of people if only no one would touch her tormented body — a body that might otherwise have remained untouched for several more years — if only no one would touch what had been so suddenly and brutally …
[…] The girl embraced me, begged me and smiled at me through tears with her whole face. It was difficult for her to plead with me, but she tried to employ the entire repertoire of a woman, and she played her role not badly. For me, who am attracted to everything beautiful, she could easily have won me over with her shining eyes, but the duty of a soldier, which stands above everything else, decided the matter, and I …”
[Here the diary entry breaks off in mid-sentence.]
In her book Der verlorene Kampf um die Wörter. Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt. Ein Plädoyer für eine angemessene Sprachführung (“The Lost Battle for Words: Language Hostile to Victims in Sexualized Violence — A Plea for Appropriate Language”), published by Junfermann Verlag in Paderborn in 2007, author Monika Gerstendörfer argues convincingly that careless language can trivialize acts of sexually motivated violence and thereby humiliate and degrade victims a second time.
At the beginning of the book she writes:
“There are no ‘child desecrators.’ There are no ‘sex tourists.’ There is no ‘child pornography.’ There are no ‘sex murders.’ […] What is called ‘child pornography’ is by no means a staged sexual representation; it is the visual documentation of real abuse, up to and including torture. And a so-called sex murder is nothing other than a murder following physical and psychological torture. […] A man described as ‘paedophile’ is, in the literal sense, precisely not paedophile — not ‘child-loving’ — but the exact opposite. […] If the words, concepts and linguistic conventions surrounding sexualized violence help prevent us from understanding the problem, if current language itself becomes a dangerous weapon directed above all against victims, then it is absolutely necessary to insist on lasting change.”
The third chapter of the book deals with “War and Peace,” and Gerstendörfer discusses issues closely connected with ANONYMA — A WOMAN IN BERLIN. Under the heading “Political Functionalization during the Second World War,” she writes:
“The mass rapes of German women in the final weeks of the war and the first weeks of peace illustrate many things, including the fact that mass rape in Bosnia and elsewhere is not an invention of modern times. The rapes at the end of the war in April and May 1945 are nevertheless a special case — not only because they were committed on a massive scale. Women have always been treated as a kind of booty belonging to victorious ‘warriors,’ and rape has always been used as an act of revenge against an enemy.
[…] German women had no way to avoid all of this. In Berlin in April 1945 it was they who, despite the bombing, had to leave the shelters to obtain food, water and other necessities. They even cooked on wood stoves in the open streets and had to care for sick men. Nazi propaganda prepared them for rape through agitation and fear-mongering. A propaganda sheet for the defence of Berlin stated: ‘[…] With weapons drawn, this soldiery goes from house to house, stealing watches and jewellery and demanding liquor and cigarettes. In the evening the Inner Asian lechers search apartments for young German women and girls and violate them with the most brutal force.’
Such male propaganda spread fear and panic among women and at the same time incited men against the ‘evil Ivan.’ The fact is, however, that Russians were by no means the only ones who raped. The ‘liberators’ — Americans, British and French — did so as well. But the incitement of Goebbels and others continues to have an effect to this day. Hardly anyone thinks of Americans when discussing the mass rapes of the Second World War, and still less of the Wehrmacht brothels organized by Germans and the Nazis' so-called ‘joy divisions,’ in which Jewish women, Sinti women and others were forced to endure what women in the former Yugoslavia suffered only a few years ago.”
According to Gerstendörfer, the men who remained behind or later returned played a far from glorious role:
“It is important to ask how, and whether, German men who were called upon to protect women actually behaved. The truth is this: among hundreds of thousands there are said to have been only a few who stood up for their women and even gave their lives for them. The majority hid behind the women. The supposed ‘master men’ were unimaginably cowardly. Remarks such as ‘They won't do anything to you; you only have to lie still for a while. But they'll send us to Siberia’ speak for themselves […].
Another factor that could prove fatal for women and girls was — and is — so-called male honour. More than a few men sent their wives and daughters to their deaths and even gave them the poison or the rope. Many women are said to have suffered more from the accusations of their own husbands than from the rapists, whom they usually did not know at all.”
Her conclusion is: “Rape is a form of warfare, not a side effect of war.” And: “Society's general reaction to sexualized violence against women, to rape, is not so different in wartime from what it is in peacetime.”
The grim statistic she cites is that the number of women and girls raped in the Soviet occupation zone, the former eastern territories of Germany and during flight and expulsion has been estimated at 1.9 million.
One of the greatest strengths of the film ANONYMA — A WOMAN IN BERLIN may be that it brings survival strategies to the foreground and makes them a subject of discussion. This also makes the film highly relevant today. The audience is not simply confronted with a historical story; it is implicitly reminded that countless women in the war and crisis zones of the twenty-first century still face the same problems and traumas.
It may also revive memories that it is not long since systematic sexual violence against women took place almost “on our doorstep,” during the wars in the former Yugoslavia in the 1990s.
Dr Monika Hauser, a board member of medica mondiale, an organization supporting traumatized women and girls in war and crisis regions, also draws a direct line to the present. In a lecture at the Friedrich Ebert Foundation in Berlin in August 2006, speaking on “The Eternal Taboo — Rape,” she said:
“On the basis of our many years of work in the war regions where medica mondiale is active, I draw a connection between the experiences of today's survivors and those of women in post-war Germany. I argue that there is a common patriarchal system which German and Western men resist recognizing: some of their patterns of behaviour and thought are entirely comparable, for example, with those of Afghan men. Sexualized violence is a constant companion before, during and after wars. Ordinary men make use of the limitless possibilities presented to them — possibilities that they might never actively create for themselves under the restrictive normality of peace.”
The subject's continuing relevance was demonstrated in June 2008 when the United Nations Security Council unanimously adopted Resolution 1820, calling on all parties to armed conflict “immediately and completely [to] cease all acts of sexual violence against civilians” and to take measures for their protection.
The resolution officially recognizes rape as a tactic of war used to humiliate and dominate, to instil fear, and forcibly to displace civilians or members of particular ethnic groups. U.S. Secretary of State Condoleezza Rice, who chaired the Security Council meeting, cited examples including the Democratic Republic of the Congo — where 32,000 cases of sexual assault had been reported in South Kivu — the Darfur crisis in western Sudan, and Burma.
“Rape is a crime that can never be excused. We have a special responsibility to punish those responsible for sexual violence,” Rice said.
The Security Council indirectly raised the possibility that perpetrators could be brought before the International Criminal Court in The Hague, explicitly noting that rape and other forms of sexual violence may be prosecuted as war crimes, crimes against humanity or acts forming part of genocide.
Unfortunately, the problem is not confined to wartime. After wars or pogroms, the general level of violence in everyday life is often significantly higher than before, and women and girls feel the effects especially strongly.
A July 2008 press release by Germany's national association of women's counselling centres and rape crisis centres stated:
“Workers in rape crisis centres and women's counselling services know only too well that rape is also part of many cultures and societies in peacetime. It is not sexually motivated either in war or in peace; rather, sexuality is instrumentalized as a means of exercising power. The women and girls affected are almost always left alone with the profound consequences.”
Examples can be found almost everywhere. After the Khmer Rouge terror, observers in Cambodia reported in the summer of 2004 that participation in gang rape had become almost normal among some lower- and middle-class groups of young men. A group would obtain a girl and take her to a cheap hotel or similar place, where friends would appear — if they were not already waiting — and rape her together. The young men often showed no sense that they had committed a wrong; refusing to participate could mean losing face or exclusion from the group.
Comparable problems, alongside a rapidly rising number of people living with AIDS, were reported in South Africa. In 2004, 55,000 rapes were officially registered there. Unofficial estimates suggested that the true number of victims could be about twenty times higher. If so, a woman would have been raped in South Africa roughly every twenty-three seconds. At Cape Town's Groote Schuur Hospital, staff dealing with rape victims estimated that around 75 percent of sexual assaults involved gang rape.
Cambodia and South Africa may seem far away, but Germany too is affected when one looks at trafficking in women and children. According to estimates by the International Organization for Migration, more than one million women and children are sold worldwide each year. One cited comparison stated that an authoritarian state such as Belarus “exports” about 10,000 women and girls annually, while even a democratic state such as Germany “imports” an estimated 50,000 women and children.
The material gave the following source: http://www.eurozine.com/articles/2005-10-28-csmith-de.html.
Returning to the past, one fact about the occupation of Berlin has remained almost completely taboo: adolescent boys were also raped. Psychologist Monika Gerstendörfer comments that sexualized violence is fundamentally about destroying what makes a person who they are, through complete humiliation. In war, she argues, it serves the total and collective humiliation of the enemy.
Women are treated as the enemy's “property” and are thus symbolically taken from him; once violated and perhaps impregnated by the enemy, they are marked as dishonoured. Gerstendörfer connects this with the idea of genocide through violence against women.
With adolescent boys, she argues, the pattern and intention may be similar. They are the sons of the enemy's men, potential future enemies and the next generation. If they too are humiliated — and sexualized violence is an especially powerful way to do so — then girls, women of every age and growing boys can all be damaged for the long term.
For boys and men, sexualized violence may create the myth of “emasculation,” both in the eyes of others and in their own experience. Many victims therefore do not speak. Without appropriate information, some may wrongly interpret involuntary physiological reactions during anal rape as evidence about their sexuality. Such bodily reactions are sensory reflexes and have nothing to do with sexual desire. Again, Gerstendörfer argues, the fatal mistake is to confuse the categories of sexuality and violence.
Before, during and after the occupation of Berlin, men were generally unable to provide much protection for women. Demography itself made this impossible. Of Berlin's pre-war population of 4.3 million in 1939, at most 2.8 million remained. Two thirds were girls and women of all ages. The male third of the civilian population consisted largely of children and adolescents under sixteen and men over sixty.
Obtaining water, food, clothing and fuel therefore fell largely to women, who often risked their lives doing so. During the eleven weeks before the Red Army began its ground offensive against Berlin in mid-April, the city had been subjected to eighty-five air raids, mainly by American and British formations. About 200,000 people were either killed or driven to flee the city. Anonyma's diary also devotes long passages to the difficulties involved in obtaining the most basic necessities of daily life.
After the war, conditions improved only slowly for women and men alike. In April 1947, two years after the Battle of Berlin, the Allied foreign ministers announced that the following numbers of German soldiers were still prisoners of war: 30,967 held by the Americans, 435,295 by the British, 631,483 by the French and 890,532 by the Soviets. The last figure was especially shocking because people had previously assumed that as many as three million Germans were still prisoners in the Soviet Union.
And when the men came home, what condition were they in? Many were broken in body and soul. As already mentioned, this did not prevent some from blaming their wives in part for what had happened to them, including the rapes. The last German prisoners of war returned to the Federal Republic at the end of 1955. Like all those released only after 1947, they were called Spätheimkehrer — “late returnees.” By law they received compensation of thirty Deutsche Marks for every month spent in captivity.
One could also put it this way: it was above all women who laid the foundations for what came to be called the “economic miracle” in the 1960s. The lessons in survival strategies that they had been forced to learn and apply during the war and the post-war years would stay with them for the rest of their lives.
Themes and curriculum connections, from Grade 10 onward
“Now everything belongs to everyone.” — Seven days in Anonyma's life: a description of the situation in Berlin from 20 to 27 April 1945.
Possible learning goals include treating an unfamiliar text as a historical literary source; practising techniques such as summarizing lines of thought or citing important passages; recognizing and evaluating the diary as a literary form; and placing the content historically within the final days of the Second World War and the capture of Berlin by the Soviet army.
Anonyma described her roughly two months of notes as an “attempt at a written conversation with myself,” not originally intended for publication. A gifted writer, she used her ability to process the extreme experiences through which she was passing. Perhaps only her husband Gerd would ever see the notebooks.
This authentic account therefore differs from the familiar categories of German post-war “rubble literature” or “clear-cut literature” associated with writers such as Borchert, Böll and Group 47.
The experience of life-threatening reality changes language. It becomes harder and more concrete without entirely escaping the writer's education and cultural background.
War leaves external and internal traces: burned-out shells of buildings; streets resembling lunar landscapes; loss of speech; frozen expressions and eyes; fear, insomnia and abnormal behaviour. Hunger, need, misery, brutalization, despair and even feelings of guilt simply for having survived are elementary human experiences reflected in the images of the film and have lost none of their relevance.
Task: Work with the diary excerpt as a historical and literary source; identify central thoughts and passages and place them in the historical context of the last days of the war in Berlin.
The film interpretation allows the narrated events to be rendered more concretely while at the same time reducing events to significant moments and actions. A selected group of characters is staged at a defined place and time. Precisely in periods of speechlessness such as that described in the book, images take over where words have become sparse and communicate the emotional condition of the principal characters — in some sequences almost in the form of chamber drama, for example in the scenes after the men return home.
“It began with silence.” — The day of catastrophe: the film's action.
Suggested topics include examining the content and structure of the plot: main and secondary storylines, principal actors in the action, narrative technique, and the way these are realized through cinematic means.
Task: Analyse how the film organizes its central and secondary actions and how camera, editing, acting and narrative structure translate the diary into film.
Students can identify and reflect on phases of human survival strategies through a concrete example; recognize and discuss changes in moral and value systems from gender-specific perspectives; and express and debate women's and men's viewpoints in the form of media headlines.
The usual patterns of adaptation, values and psychological defence mechanisms can collapse in an extreme situation such as a devastating war. People reach the limits of physical and psychological endurance. Powerlessness, irrational feelings and depression, but also aggression, the will to survive, the search for comfort, safety and emotional stability, and the ability to suppress painful experience — compare the Stockholm syndrome — can alter personal attitudes, private relationships and social connections.
The social division of roles between women and men had already been thrown out of joint, even though patriarchal ways of thinking officially remained dominant. In 1949 Article 3, paragraph 2 of the Basic Law of the Federal Republic of Germany enshrined equality between women and men. Only in 1957 was family law changed, removing restrictions on married women's employment and the numerus clausus for female university students that had existed since 1934.
The material proposes confronting social norms of living together and examining the role of taboos in society, forming one's own position, justifying it and making it understandable to others.
Anonyma writes: “Well, the wild indiscriminate raping of the first days is over. The booty has become scarce. And, as I hear, other women too are now, like me, in steady hands and therefore taboo. … But that still does not answer the question whether I must now call myself a whore, since in practice I live from my body and receive food in exchange for surrendering it. … After all, it is an old and venerable profession and reaches all the way up into the highest circles. …” (from Anonyma — A Woman in Berlin)
Women such as Anonyma, who despite humiliation and assaults on their person tried to preserve respect for themselves and their self-esteem, were a minority. It is therefore hardly surprising that the author stipulated that her identity should not be revealed during her lifetime or after her death.
Breaking such taboos, and taboos surrounding the Third Reich more generally, remains a risky undertaking even today. Yet it is important to create and perceive images that provoke reflection, including those from which people often turn away because they show frightening aspects of human behaviour.
Task: The contribution by Claudia Schmölders mentioned in the teaching tips can also be used to discuss questions of human ethics. Students may conduct a structured pro-and-con discussion about a selected taboo and write a joint statement for publication on the class or project blog.
© Constantin Film
Publisher: Vera Conrad, Schmellerstraße 26, 80337 Munich
Responsible editor: Vera Conrad, vera.conrad@t-online.de
Practical exercises: Regine Wenger, reg.wenger@gmx.de
Texts about the film: Rolf Thissen, rolf.thissen@fanesfilm.de
Graphic design / printing: FAMILY Print Production Services GmbH, Munich
Distribution: Sabine Heinroth, sabine.heinroth@education-gmbh.de